Schadet KI-Content deinem Google-Ranking?
Die Sorge ist verbreitet: Wer mit KI schreibt, fliegt bei Google raus. Was Google tatsächlich sagt, wo die Grenze wirklich verläuft und was eine Analyse von 600'000 Seiten dazu zeigt.
Es gibt eine Sorge, die mir bei Coaches und Berater/innen immer wieder begegnet: «Wenn ich mit KI schreibe, straft Google mich doch ab.» Manchmal kommt sie als Frage, oft als feststehende Überzeugung, die jemand irgendwo aufgeschnappt hat.
Die Sorge ist verständlich. Sie sorgt nur leider dafür, dass Menschen entweder gar nicht mehr schreiben oder heimlich mit schlechtem Gewissen. Beides ist unnötig. Schauen wir uns deshalb an, was Google tatsächlich sagt, wo die Grenze wirklich verläuft und was die Daten zeigen.
Was Google offiziell dazu sagt
Fangen wir bei der Quelle an, statt bei dem, was in Foren kursiert. In seiner Dokumentation zu hilfreichen Inhalten schreibt Google in einem einzigen klaren Satz: «Appropriate use of AI or automation is not against our guidelines.» Auf Deutsch: Ein angemessener Einsatz von KI oder Automatisierung verstösst nicht gegen die Richtlinien.
Das ist deutlicher, als viele erwarten. Es gibt keine Strafe für KI-Texte als solche. Es gibt keine Abwertung deiner Website, nur weil ein Werkzeug beim Schreiben mitgeholfen hat.
Google begründet das auch nachvollziehbar. Für eine Suchmaschine ist entscheidend, ob ein Inhalt Menschen weiterhilft. Wie er entstanden ist, ist zweitrangig. Ein hilfreicher Text bleibt hilfreich, egal ob er mit Füllfederhalter, Schreibmaschine oder Sprachmodell entstanden ist. Ein nutzloser Text bleibt nutzlos, auch wenn ihn ein Mensch mühsam von Hand getippt hat.
Wo die Grenze wirklich verläuft
Jetzt der wichtige Teil, denn eine Grenze gibt es sehr wohl. Sie heisst nur anders, als die meisten denken. Google führt in seinen Spam-Richtlinien einen Verstoss namens «scaled content abuse», also den Missbrauch durch massenhaft erzeugte Inhalte.
Definiert ist er als das Erzeugen vieler Seiten, die in erster Linie der Manipulation von Rankings dienen und Menschen nicht helfen. Als Beispiele nennt die Richtlinie unter anderem, mit generativen Werkzeugen viele Seiten ohne Mehrwert zu produzieren, fremde Inhalte zusammenzustückeln oder mehrere Websites anzulegen, um den Massencharakter zu verschleiern.
Lies diese Definition genau, dann siehst du das Muster. Es geht um Masse plus fehlenden Nutzen. Beides zusammen. Ein einzelner sorgfältig gearbeiteter Text, bei dem KI geholfen hat, fällt nicht darunter. Zweihundert automatisch erzeugte Seiten, die niemandem etwas bringen, sehr wohl.
Genau hier liegt das Missverständnis, das so viel Unsicherheit erzeugt. Menschen lesen «Google geht gegen KI-Inhalte vor» und beziehen es auf ihren Blogbeitrag. Gemeint ist aber die industrielle Textproduktion, die das Netz mit Belanglosem flutet. Wenn du als Coach oder Berater/in einen durchdachten Beitrag pro Woche schreibst, bist du meilenweit von dieser Grenze entfernt.
Was die Daten zeigen
Reden wir über Zahlen, denn es gibt eine aufschlussreiche Untersuchung dazu. Ahrefs hat die Top-20-Ergebnisse für 100‘000 zufällige Suchbegriffe angeschaut, insgesamt 600‘000 Seiten. Geprüft wurde mit einem KI-Detektor, wie viel KI-Anteil darin steckt.
Das Ergebnis: 86,5 Prozent der gut rankenden Seiten enthalten irgendeinen Anteil KI-generierten Text. Rein menschlich geschrieben sind nur noch 13,5 Prozent. Reine KI ohne menschliche Bearbeitung macht 4,6 Prozent aus, der grosse Rest von rund 82 Prozent ist eine Mischung aus beidem.
Noch interessanter ist die zweite Zahl. Die Korrelation zwischen dem KI-Anteil einer Seite und ihrer Position lag bei 0,011. Das ist praktisch null. Anders gesagt: Aus dem KI-Anteil eines Textes lässt sich nicht ablesen, ob er gut oder schlecht rankt.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, damit die Zahl belastbar bleibt. Es ist eine Anbieterstudie, gemessen mit dem hauseigenen Detektor von Ahrefs. Dazu kommt, dass KI-Detektoren grundsätzlich fehleranfällig sind, ihre Werte bleiben Schätzungen. Was die Untersuchung trotzdem trägt, ist die Grössenordnung und die fehlende Korrelation. Die Vorstellung, gut rankende Seiten seien überwiegend handgeschrieben, ist damit nicht mehr haltbar.
Woher der Mythos kommt
Wenn die Faktenlage so klar ist, stellt sich die Frage, warum sich das Gegenteil so hartnäckig hält. Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe.
Der erste ist eine Verwechslung von Ereignissen. Google verändert seine Suche mehrmals jährlich mit sogenannten Core Updates. Verlieren Websites dabei Sichtbarkeit, suchen ihre Betreiber verständlicherweise nach einer Erklärung. Wer kurz zuvor angefangen hat, mit KI zu schreiben, hält das schnell für die Ursache. Ein Core Update bewertet allerdings die Qualität insgesamt neu, es fahndet nicht nach Werkzeugen.
Der zweite Grund ist Kolportage. Ich habe für diesen Beitrag mehrere Behauptungen geprüft, die überall zitiert werden, etwa eine angebliche Abstrafungswelle im Juni 2025. Verfolgt man die Spur zurück, landet man bei einem einzigen Beitrag in einem sozialen Netzwerk mit zwei gemeldeten Einzelfällen, dessen Verfasser selbst schreibt, er kenne das Ausmass nicht. Aus dieser Anekdote wurde über Dutzende Blogs hinweg eine Tatsache. Deshalb steht sie hier nicht als Beleg.
Der dritte Grund ist bequem: Der Mythos verkauft sich gut. Wer Angst vor einer Strafe hat, bucht eher eine Dienstleistung, die ihn davor bewahrt. Ein Grund mehr, bei solchen Aussagen nach der Quelle zu fragen.
Was wirklich über Erfolg entscheidet
Wenn die Entstehung des Textes so wenig aussagt, was zählt dann? Meiner Erfahrung nach drei Dinge, die alle nichts mit dem Werkzeug zu tun haben.
Erstens: Beantwortest du eine echte Frage? Inhalte, die eine konkrete Frage deiner Zielgruppe vollständig klären, werden gefunden, gelesen und zitiert. Inhalte, die um ein Stichwort herumreden, verschwinden.
Zweitens: Steckt Erfahrung drin, die nur du hast? Ein Sprachmodell kann Allgemeinwissen ordentlich zusammenfassen. Was es nicht kann, ist deine konkrete Beobachtung aus dem letzten Kundengespräch, deine Einschätzung als Fachperson, dein Beispiel aus der Praxis. Genau das unterscheidet einen brauchbaren Text von einem austauschbaren.
Drittens: Trägt der Text deine Handschrift? Nicht als Stilfrage, als Vertrauensfrage. Wenn deine Beiträge klingen wie tausend andere, hat niemand einen Grund, ausgerechnet dich zu merken. Woran man das erkennt, habe ich im Beitrag dazu beschrieben, ob dein Text wie KI wirkt.
Der praktische Umgang mit KI beim Schreiben
Aus all dem folgt ein entspannter, aber nicht beliebiger Umgang. Ich arbeite selbst mit KI, gezielt dort, wo sie ihre Stärken hat.
Gut funktioniert sie beim Strukturieren eines Gedankens, beim Ordnen von Rohmaterial, beim Finden einer besseren Formulierung für einen Satz, der nicht sitzt. Sie ist eine gute Gesprächspartnerin, wenn man laut denken will.
Weniger gut funktioniert sie, wenn man ihr die Denkarbeit ganz überlässt. Dann entsteht Text, der stimmt, ohne etwas zu sagen. Formal korrekt, inhaltlich leer. Solche Beiträge schaden dir nicht wegen Google, sie schaden dir bei Menschen, weil sie nichts hinterlassen.
Ein einfacher Prüfstein hilft: Steht in deinem Text mindestens ein Satz, den nur du schreiben konntest? Eine Zahl aus deiner Praxis, eine Beobachtung, eine Meinung mit Rückgrat. Wenn ja, ist es dein Text, unabhängig davon, wer beim Formulieren geholfen hat. Wenn nein, fehlt ihm der Grund zu existieren.
Praktisch bewährt sich eine Reihenfolge, die den Menschen an den Anfang und ans Ende stellt. Du entscheidest, welche Frage der Text beantwortet und welche Haltung du dazu hast. Die KI hilft beim Ordnen und Formulieren. Danach gehst du noch einmal darüber und bringst hinein, was fehlt: dein Beispiel, deine Einordnung, deine Sprache. Was dabei entsteht, ist die Mischung, die auch in den Daten überwiegt.
Umgekehrt lohnt es sich, ein Warnsignal ernst zu nehmen. Wenn du einen Text veröffentlichen willst, ohne ihn selbst noch einmal gründlich gelesen zu haben, ist das der Moment, innezuhalten. Nicht wegen Google, aus Respekt vor den Menschen, die ihn lesen sollen.
Was sich für die KI-Sichtbarkeit ändert
Ein Gedanke zum Schluss, der über Google hinausgeht. Dieselbe Frage stellt sich nämlich für KI-Antworten, dort sogar noch etwas schärfer.
Wenn ein generatives System eine Antwort baut, sucht es nach Quellen, denen es trauen kann. Massenhaft erzeugte, austauschbare Inhalte bieten dafür keinen Anker. Was zitiert wird, sind klare Aussagen, die sich einer Person oder einem Unternehmen zuordnen lassen. Die Anforderung ist also dieselbe wie bei Google, nur konsequenter: Substanz, die erkennbar von jemandem stammt. Mehr dazu im Beitrag über zitierfähiges Schreiben.
Was du daraus mitnimmst
Google bestraft KI-Texte nicht pauschal, das steht so in der offiziellen Dokumentation. Was bestraft wird, ist massenhaft erzeugter Inhalt ohne Nutzen für Menschen. Die Daten stützen das: In einer Analyse von 600‘000 gut rankenden Seiten enthielten 86,5 Prozent KI-Anteile, ohne erkennbaren Zusammenhang zur Position.
Du darfst also mit KI arbeiten. Was du nicht tun solltest, ist, ihr die Substanz zu überlassen. Beantworte echte Fragen, bring deine Erfahrung ein und sorge dafür, dass mindestens ein Satz nur von dir stammen kann. Dann ist die Frage nach dem Werkzeug zweitrangig.
Wenn du wissen willst, wie deine Inhalte heute bei Google und in KI-Antworten ankommen, mach den kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check.
