Nutzt ChatGPT eigentlich Google? Woher die Antworten wirklich kommen
Nutzt ChatGPT Google oder Bing? Woher ChatGPT seine Informationen hat, wie Trainingsdaten, Websuche und die Crawler von OpenAI zusammenspielen, wie aktuell die Antworten sind und was das für Coaches und Beratende bedeutet.
Nutzt ChatGPT eigentlich Google? Diese Frage höre ich oft, meist zusammen mit einer zweiten: Reicht ein gutes Google-Ranking, damit ChatGPT mich nennt? Die kurze Antwort auf beide lautet, dass ChatGPT seine Antworten aus eigenen Quellen zusammenstellt. Eine offizielle Anbindung an die Google-Suche ist nicht bekannt, deshalb führt ein gutes Google-Ranking nur bedingt zu einer Nennung in ChatGPT.
Dazu kommt ein Ratschlag, der sich seit zwei Jahren durch Fachbeiträge und Vorträge zieht: Wenn du in ChatGPT auftauchen willst, kümmere dich um Bing. ChatGPT laufe schliesslich auf der Suchmaschine von Microsoft. Der Rat war einmal naheliegend. Heute greift er zu kurz, auf eine Weise, die Zeit und Arbeit kostet. In diesem Beitrag zeige ich dir, woher ChatGPT seine Informationen hat, welche Rolle Trainingsdaten, Websuche und die Crawler von OpenAI spielen und was das für Coaches und Beratende bedeutet.
Nutzt ChatGPT eigentlich Google?
ChatGPT nutzt Google nach allem, was OpenAI öffentlich beschreibt, nicht als Quelle für seine Antworten. Für die Websuche nennt OpenAI einen eigenen Suchroboter sowie Partner unter den Suchanbietern, eine Zusammenarbeit mit Google ist dabei nicht bekannt.
Dass sich die Ergebnisse trotzdem manchmal ähneln, hat einen einfachen Grund: Google und ChatGPT schöpfen aus demselben öffentlichen Netz. Eine Seite, die gut geschrieben, schnell erreichbar und klar gegliedert ist, hat bei beiden bessere Chancen. Die Auswahl selbst treffen die beiden Systeme getrennt, jedes nach eigenen Kriterien und auf Grundlage eines eigenen Bestands.
Woher hat ChatGPT seine Informationen? Trainingsdaten und Websuche
ChatGPT hat seine Informationen aus zwei Quellen: aus den Trainingsdaten des Sprachmodells sowie bei Bedarf aus einer Websuche im Moment der Frage. Die beiden funktionieren grundverschieden, deshalb lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten.
Die Trainingsdaten sind der Lernstoff, aus dem ein Modell sein Sprachverständnis und sein Allgemeinwissen bezieht. Dazu gehören grosse Mengen öffentlich zugänglicher Texte aus dem Netz. Was ein Modell daraus gelernt hat, ist zum Zeitpunkt des Trainings eingefroren. Antwortet ChatGPT ohne Websuche, formuliert es aus diesem Gelernten, ohne eine bestimmte Seite aufzurufen. Quellen nennt es in diesem Fall keine.
Die Websuche arbeitet anders. ChatGPT formuliert aus deiner Frage eine oder mehrere Suchanfragen, ruft passende Seiten ab und fasst die Fundstellen zu einer Antwort zusammen. Dabei setzt es anklickbare Zitate in den Text. Die Quellen stammen aus einem Bestand, den OpenAI mit eigenen Mitteln sowie mit Partnern aufbaut.
| Trainingsdaten | Websuche | |
|---|---|---|
| Stand des Wissens | Stichtag des Trainings | Zeitpunkt der Frage |
| Quellenangabe | keine | anklickbare Zitate im Text |
| Wie Inhalte hineinkommen | Crawler für das Training (GPTBot) sowie weitere Datenquellen | Suchroboter OAI-SearchBot sowie Partner |
| Was du beeinflussen kannst | langfristig, über viele Erwähnungen im Netz | Erreichbarkeit und zitierfähige Abschnitte deiner Seiten |
Für deine Sichtbarkeit zählt heute vor allem die zweite Quelle. Fragt jemand nach einem Anbieter, einem Preis oder einer Empfehlung, braucht die Antwort aktuelle Angaben, also sucht ChatGPT bei solchen Fragen häufig im Netz. Dort entscheidet sich, ob deine Website als Beleg dient.
Ist ChatGPT aktuell?
ChatGPT ist aktuell, sobald es für eine Antwort im Netz sucht. Ohne Websuche reicht sein Wissen bis zum Stichtag der Trainingsdaten, der je nach Modell einige Monate oder länger zurückliegt.
Ob ChatGPT sucht, entscheidet das System meist selbst, je nachdem, ob eine Frage aktuelle Informationen braucht. Du kannst die Suche auch gezielt einschalten. Erkennbar ist eine gesuchte Antwort an den Quellenangaben: Stehen anklickbare Zitate im Text, hat ChatGPT im Netz nachgeschaut. Fehlen sie, stammt die Antwort aus dem Gelernten.
Für Coaches und Beratende hat das eine praktische Seite. Ein Beispiel: Eine Coachin für Führungskräfte hat vor zwei Jahren ihr Angebot umgebaut und ihre Preise angepasst. Fragt jemand ChatGPT ohne Websuche nach ihr, kann die Antwort noch den alten Stand wiedergeben, weil das Modell ihn so gelernt hat. Mit Websuche steigt die Chance, dass ihre aktuelle Angebotsseite zum Zug kommt, sofern diese erreichbar ist und die wichtigsten Angaben klar benennt.
Welche Suchmaschine nutzt ChatGPT? Wie es angefangen hat und was sich seither geändert hat
ChatGPT stützt seine Websuche auf einen eigenen Bestand aus dem Suchroboter OAI-SearchBot sowie laut OpenAI auf weitere Suchanbieter. Welche das im Einzelnen sind, legt OpenAI nicht vollständig offen. Microsoft mit Bing gilt seit dem Start der Websuche als einer dieser Partner. Wie gross dessen Anteil heute ist, lässt sich von aussen nicht genau sagen.
Als ChatGPT anfing, für aktuelle Fragen im Netz nachzuschlagen, brauchte OpenAI eine Quelle für frische Ergebnisse. Der naheliegende Weg führte über eine bestehende Suchmaschine, die Verbindung zu Microsoft war damals eng. Aus dieser Zeit stammt der Ratschlag, für Bing zu optimieren. Er beruhte auf einer korrekten Beobachtung: Was bei Bing gut lief, tauchte auffällig oft in ChatGPT-Antworten auf.
Seither erfasst OpenAI Websites auch selbst. In der eigenen Dokumentation beschreibt das Unternehmen inzwischen einen Suchroboter, der Seiten für die Suchfunktionen von ChatGPT abruft.
Die Folge lässt sich messen. In einer Auswertung von Ahrefs mit 15‘000 Fragen, erhoben Anfang Juli 2025, standen nur rund 8 Prozent der Adressen, die ChatGPT im Text zitierte, auch unter den ersten zehn Ergebnissen von Bing. Solche Messungen hängen stark von der Fragenauswahl ab, ihre Richtung ist trotzdem deutlich: Wer seine Zeit allein in Bing steckt, um in ChatGPT vorzukommen, setzt an einer Stelle an, die für dieses Ziel wenig bewegt.
OAI-SearchBot, GPTBot und ChatGPT-User: die drei Crawler von OpenAI
OpenAI schickt mehrere automatische Besucher auf Websites, die in der Dokumentation von OpenAI zu den Crawlern einzeln beschrieben sind. Drei davon sind für die Frage wichtig, woher ChatGPT seine Antworten holt, jeder an einer anderen Stelle.
OAI-SearchBot erfasst Websites für die Suchfunktionen von ChatGPT. OpenAI schreibt, dass Seiten, die diesen Roboter aussperren, in den Suchantworten von ChatGPT nicht gezeigt werden. Höchstens als einfacher Link können sie dort noch auftauchen.
GPTBot sammelt Inhalte, die für das Training der Modelle verwendet werden können. Wer ihn aussperrt, signalisiert damit, dass die eigenen Texte nicht ins Training einfliessen sollen.
ChatGPT-User ruft eine Seite ab, wenn eine Person in ChatGPT eine Aktion auslöst, etwa einen Link öffnen lässt. Er durchsucht das Netz nicht selbständig. Weil ein Mensch den Abruf auslöst, gelten die Regeln der robots.txt laut OpenAI hier unter Umständen nicht.
Die Einstellungen für diese Roboter sind laut OpenAI unabhängig voneinander. Du kannst also das Training ausschliessen und trotzdem in der Suche auffindbar bleiben. Nach einer Änderung an der robots.txt dauert es laut Dokumentation rund 24 Stunden, bis die Suche sie berücksichtigt. Wie du die Einträge für jeden Roboter konkret setzt und welche Fallen dabei lauern, erkläre ich ausführlich in Welche KI-Bots deine Seite besuchen und welche du hereinlassen solltest.
Der Befund, der mehr verändert: warum die Auswahl anders ausfällt
Bei Google sieht es kaum anders aus. In derselben Auswertung lagen ebenfalls nur rund 8 Prozent der von ChatGPT im Text zitierten Adressen in Googles ersten zehn Ergebnissen, über ChatGPT, Gemini und Copilot gemittelt waren es 12 Prozent. Lies den Satz zweimal: Rund neun von zehn Quellen, die ChatGPT nennt, stehen bei Google nicht auf der ersten Seite.
Das erklärt eine Situation, die viele Selbstständige kennen. Jemand rankt bei einem wichtigen Begriff auf Platz eins, fragt ChatGPT dasselbe und kommt in der Antwort nicht vor. Hinter diesem scheinbaren Fehler stehen zwei getrennte Auswahlprozesse. Diesen Punkt habe ich schon einmal als Beobachtung aus der Praxis beschrieben, nachzulesen unter Platz eins bei Google, trotzdem unsichtbar für ChatGPT.
Warum die Auswahl anders ausfällt, liegt an der Aufgabe. Eine Suchmaschine stellt eine Liste zusammen, vergibt zehn Plätze und achtet darauf, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ein KI-System schreibt einen Text und braucht Belege für einzelne Aussagen. Es sucht deshalb die Passage, die genau einen bestimmten Satz stützt. Eine Seite, die eine einzelne Frage klar und knapp beantwortet, ist als Beleg brauchbarer als eine umfassende Übersichtsseite, in der die Antwort irgendwo im vierten Abschnitt steht. Das ist der Grund, warum in KI-Antworten regelmässig Quellen auftauchen, die du in der Trefferliste nie gesehen hättest.
Bleibt die Frage, was mit den anderen Systemen ist. Google speist seine KI-Übersicht und den KI-Modus aus dem eigenen Suchindex, dort hängen Trefferliste und KI-Antwort enger zusammen, wenn auch nicht deckungsgleich. Perplexity arbeitet mit einem eigenen Roboter. Auch Claude von Anthropic und die übrigen Systeme haben ihre eigenen Abrufwege. Jedes System baut sich also seinen eigenen Zugang zum Netz, die Überschneidungen zwischen ihnen sind kleiner, als viele annehmen. Wie klein, habe ich in Jede KI zitiert andere Quellen beschrieben. Für dich folgt daraus, dass es keinen einzelnen Kanal gibt, über den du überall vorkommst.
Was das für deine Arbeit heisst: Coaches und Beratende
Für Coaches und Beratende folgt aus all dem keine neue Disziplin. Es folgen vier Verschiebungen in der Gewichtung.
Bing als eine Quelle unter mehreren behandeln. Ein gepflegtes Konto in den Bing Webmaster Tools empfehle ich weiterhin, weil Bing für Microsoft Copilot zählt und möglicherweise einen Teil der ChatGPT-Suche speist. Als alleiniger Hebel für ChatGPT ist es zu schmal.
Das Google-Ranking als Nebenbedingung betrachten. Es ist nützlich, weil es zeigt, dass deine Seite technisch sauber und inhaltlich brauchbar ist. Als alleiniges Ziel für eine Nennung in ChatGPT reicht es kaum.
OAI-SearchBot hereinlassen. Prüfe, ob deine robots.txt oder dein Hosting den Suchroboter von OpenAI aussperrt. Manche Sicherheitseinstellungen blockieren KI-Roboter pauschal, ohne dass es jemand bemerkt.
In beantwortbaren Einheiten schreiben. Eine Frage, ein Abschnitt, eine klare Antwort im ersten oder zweiten Satz. Das ist die Form, die sich zitieren lässt, ohne dass ein System raten muss.
Ein Beispiel: Ein Berater für Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen könnte auf seiner Leistungsseite einen Abschnitt mit der Überschrift «Wie lange dauert eine Unternehmensnachfolge?» einbauen. Die Antwort steht gleich im ersten Satz, mit einer realistischen Spanne und den Faktoren, die sie verlängern. Genau so ein Abschnitt eignet sich als Beleg, wenn jemand ChatGPT dieselbe Frage stellt.
Wie du diese Punkte gezielt für ChatGPT umsetzt, steht ausführlich in ChatGPT und SEO. Bei Copywriting Kurz begleite ich Coaches, Berater/innen und Consulting-Firmen in der Schweiz und im DACH-Raum bei genau dieser Arbeit, von der technischen Erreichbarkeit bis zu Texten, die sich zitieren lassen. Zu Beginn jeder Betreuung steht ein Kickoff-Gespräch mit rund 20 Fragen, aus dem ich unter anderem den Tone of Voice ableite. Mehr dazu findest du unter GEO und SEO.
Was das für die Messung bedeutet: der Prüfschritt, den du selbst machen kannst
Aus der Trennung folgt auch, dass die gewohnten Werkzeuge nur einen Teil der Geschichte erzählen. Die Google Search Console zeigt dir Impressionen und Klicks aus der Google-Suche. Über ChatGPT sagt sie nichts, weil ChatGPT nicht über Google läuft. Was sie zeigen kann, ist der Rückgang bei Anfragen, zu denen inzwischen eine KI-Antwort erscheint. Wie du das dort abliest, steht in Traffic-Verlust durch KI-Antworten in der Search Console messen.
Für die andere Seite brauchst du zwei zusätzliche Blicke. Erstens die Serverlogs, in denen die Suchroboter mit Namen auftauchen. Kommt dort nie ein OAI-SearchBot vorbei, liegt das Problem bei der Erreichbarkeit deiner Seite. An den Texten zu feilen, bringt in diesem Fall noch wenig.
Zweitens die Antworten selbst. Ich prüfe meine eigene Sichtbarkeit jeden Monat mit denselben Fragen in ChatGPT, Perplexity und im KI-Modus von Google. Dabei notiere ich, ob ich genannt werde, welche Seite zitiert wird und wer sonst in der Antwort steht. Das ist mühsam, gleichzeitig ist es eine verlässliche Art, diese Seite zu beobachten. Wichtig dabei: immer dieselben Fragen, immer dasselbe System, immer notiert. So wird aus einzelnen Eindrücken eine Entwicklung, die du über Monate verfolgen kannst.
Der Prüfschritt, den du selbst machen kannst, dauert rund fünf Minuten. Nimm eine Frage, die deine Kundschaft dir wirklich stellt. Stell sie ChatGPT mit eingeschalteter Websuche und lies, welche Quellen genannt werden. Dann gib dieselbe Frage bei Google ein und vergleiche die ersten zehn Ergebnisse mit den genannten Quellen. Bei den meisten Themen überschneidet sich erstaunlich wenig. Diese Übung vermittelt in wenigen Minuten ein Gefühl dafür, worum es hier geht. Sie ersetzt eine Stunde Erklärung.
Ein häufiger Einwand aus der Praxis und was trotzdem unverändert gilt
An dieser Stelle kommt in Gesprächen fast immer derselbe Satz: «Dann kann ich das ja gar nicht beeinflussen.» Für die Auswahl selbst stimmt das. Kein Anbieter legt offen, nach welchen Regeln eine Quelle in eine Antwort kommt, deshalb sollte niemand behaupten, er kenne sie. Beeinflussbar sind trotzdem drei Dinge von beträchtlichem Gewicht.
Erreichbarkeit. Ob die Suchroboter deine Seite laden dürfen und ob sie dabei etwas vorfinden.
Zitierfähigkeit. Ob deine Aussagen so formuliert sind, dass sie sich als Beleg verwenden lassen. Eine Zahl mit Quelle, ein klarer Satz, ein benannter Zeitraum.
Bestätigung von aussen. Ob dieselbe Aussage auch anderswo auftaucht, idealerweise mit deinem Namen daneben.
Diese drei Punkte geben dir spürbaren Einfluss auf deine Chancen, auch wenn die Auswahl selbst beim System liegt. Wer sie sauber hat, ist an jeder Stelle im Rennen, an der überhaupt jemand ins Rennen kommen kann.
Was trotzdem unverändert gilt: Klassische Suchmaschinenarbeit bleibt die Grundlage. Die KI schöpft aus demselben Netz. Was eine Suchmaschine nicht lesen, laden und einordnen kann, taucht auch in keiner KI-Antwort auf. Ladezeiten, saubere Überschriften, erreichbare Seiten, verständliche Sprache: All das arbeitet weiterhin, inzwischen für zwei Empfänger. Die Arbeit bleibt, ihre Reichweite wächst. Deshalb halte ich die Formulierung «SEO ist tot» für falsch und teuer, denn wer sie glaubt, baut auf einem Fundament weiter, das er nicht mehr pflegt. Mehr dazu in Ist SEO 2026 tot.
Was daraus bleibt: Die Systeme haben sich getrennt. Sie schöpfen aus demselben Netz und wählen daraus unterschiedlich aus. Für dich heisst das, dieselbe Arbeit an einer Stelle konsequenter zu machen als früher: klar sagen, was du meinst, in Abschnitten, die für sich stehen können. Das nützt der Suchmaschine, dem KI-System und den Menschen, die es lesen. Diese drei wollen an dieser Stelle dasselbe.
Wenn du wissen möchtest, wie ChatGPT, Perplexity und Google heute über dich und dein Angebot antworten, ist der KI-Check ein ruhiger erster Schritt.
