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Fast jedes Zitat zeigt auf eine fremde Seite

In einer Auswertung von 49 391 Zitaten führten 99,99 Prozent auf Seiten, die der genannten Marke nicht gehören. Was das für die Arbeit an der eigenen Website bedeutet und wo die Grenze dieser Zahl liegt.

Aquarell eines Hauses am See, um das herum viele kleine Boote liegen, deren Wege alle woandershin führen, Sinnbild für Zitate, die auf fremde Seiten zeigen.

Es gibt eine Zahl aus der Auswertung, über die ich gestern geschrieben habe, die ich zuerst für einen Tippfehler hielt.

Von 49 391 untersuchten Zitaten führten 99,99 Prozent auf Seiten, die der genannten Marke nicht gehören.

Nicht 70 Prozent. Nicht 90. Praktisch alle.

Was das im Alltag heisst

Stell dir vor, jemand fragt eine KI nach Beratenden für dein Thema. Die Antwort nennt drei Namen, einer davon ist deiner. Darunter stehen die Quellen.

Nach dieser Auswertung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass unter diesen Quellen deine eigene Website nicht auftaucht. Verlinkt wird ein Fachbeitrag, ein Verzeichnis, ein Vergleichsartikel, ein Forenbeitrag. Also eine Seite, auf der jemand anderes über dich geschrieben hat.

Dein Name steht in der Antwort. Der Link zeigt woandershin.

Warum das logisch ist, wenn man kurz nachdenkt

Der erste Reflex ist Ärger. Der zweite ist Verständnis, weil die Sache aus der Sicht des Systems einleuchtet.

Ein KI-System, das eine Empfehlung ausspricht, braucht dafür einen Beleg. Deine eigene Website ist als Beleg für deine Qualität ungeeignet, denn dort steht naturgemäss, dass du gut bist. Das steht bei allen anderen auch.

Brauchbar ist eine Quelle, die zwischen Anbietern unterscheidet. Ein Fachartikel, der drei Ansätze vergleicht. Ein Verzeichnis mit geprüften Einträgen. Eine Bewertungsplattform. Ein Forum, in dem jemand von einer Zusammenarbeit berichtet.

Diese Quellen haben etwas, das deine Seite nicht haben kann: eine Aussenperspektive.

Wozu die eigene Website dann noch gut ist

Hier wird es wichtig, weil die naheliegende Schlussfolgerung falsch wäre.

Deine Website ist die Voraussetzung. Ohne sie weiss kein System, wofür du stehst, für wen du arbeitest, wo du sitzt und was du kostest. Sie liefert die Substanz, aus der eine Beschreibung entsteht. Die Auswertung von gestern zeigt ja gerade, dass die Beschreibungen fast durchweg stimmen. Diese Genauigkeit kommt von irgendwo, zu einem grossen Teil von der eigenen Seite.

Was deine Website selten leistet, ist der Beleg für eine Empfehlung.

Zwei verschiedene Aufgaben also. Die eine erfüllt deine Seite, die andere nicht. Wer beide von derselben Seite erwartet, arbeitet an der falschen Stelle weiter.

Die Grenzen dieser Zahl

99,99 Prozent klingt nach einem Naturgesetz. Es ist eine einzelne Auswertung mit einer bestimmten Fragenauswahl.

Die Fragen waren Kaufrecherche-Fragen. Also der Typ «Wer sind die besten Anbieter für X». Bei einer Wissensfrage sieht das anders aus. Wer «Was ist eine Ghost Citation» fragt, bekommt durchaus die Seite verlinkt, auf der es erklärt wird. Das kann deine sein.

Die Marken waren grösser als du. Fünf Branchen, darunter SaaS und Finanzdienstleistungen. In stark umkämpften Feldern gibt es viele Vergleichsseiten, die als Beleg dienen können. In einer Nische mit wenig Aussenberichterstattung fehlt diese Schicht. Dann bleibt einem System weniger übrig, als die eigene Seite zu nehmen.

Es ist bezahlter Inhalt. Die Auswertung stammt von einer Agentur, die Sichtbarkeitsarbeit verkauft. Eine Zahl, die zeigt, wie wenig die eigene Website ausrichtet, passt gut zu diesem Geschäft.

Trotzdem halte ich die Richtung für stimmig, weil sie zu allem passt, was sonst gemessen wird. Web-Erwähnungen hängen deutlich stärker mit Sichtbarkeit in KI-Antworten zusammen als Backlinks oder technische Werte.

Welche fremden Seiten überhaupt infrage kommen

Wenn fast alle Zitate auf fremde Seiten zeigen, lohnt die Frage, welche das typischerweise sind. In meiner Praxis fallen sie in vier Gruppen.

Verzeichnisse und Profile. Branchenverzeichnisse, Berufsverbände, Kammern, Bewertungsplattformen. Warum gerade Bewertungen und Erwähnungen so schwer wiegen, steht in Zitiert, empfohlen, gefunden. Wenig Aufwand, wenig Glanz, dafür stabil und für ein System gut lesbar, weil die Angaben strukturiert vorliegen.

Fachmedien. Ein Beitrag, ein Interview, eine Kolumne in einem Medium, das dein Feld abdeckt. Der Aufwand ist höher, das Gewicht ebenfalls, weil eine Redaktion dazwischensteht.

Foren und Gemeinschaften. Orte, an denen deine Kundschaft ohnehin schreibt. Welche Quellen dabei tatsächlich herangezogen werden, habe ich in Die Quellen, aus denen ChatGPT seine Empfehlungen zieht aufgeschlüsselt. Hier zählt Beitrag statt Werbung, was den Weg langsam macht und ihn zugleich gegen Beliebigkeit schützt.

Vergleichs- und Übersichtsseiten. Listen mit Anbietern eines Feldes. In manchen Branchen gibt es sie in Mengen, in anderen kaum. Wo sie fehlen, hat ein System weniger Auswahl und greift eher auf andere Quellen zurück.

Die ersten beiden Gruppen sind für die meisten Selbstständigen erreichbar. Die dritte braucht Geduld, die vierte hängt vom Feld ab.

Der Reihenfolge-Fehler, den fast alle machen

Es gibt eine typische Abfolge, die nicht funktioniert.

Jemand merkt, dass er in KI-Antworten fehlt. Er nimmt sich die eigene Seite vor, schreibt sie neu, ergänzt Unterseiten, verbessert Formulierungen. Nach drei Monaten hat sich nichts bewegt. Die Enttäuschung ist entsprechend gross.

Der Fehler liegt bei der Reihenfolge, nicht bei der Arbeit selbst. Die eigene Seite muss stimmen, damit ein System dich korrekt beschreiben kann. Für die Frage, ob du in einer Empfehlung vorkommst, ist sie kaum der Hebel.

Sinnvoller ist es umgekehrt: Zuerst die Seite so weit in Ordnung bringen, dass die Angaben stimmen und auffindbar sind. Das ist eine überschaubare Aufgabe. Danach die ganze verbleibende Energie nach draussen richten.

Was daraus folgt

Hör auf, ausschliesslich an der eigenen Seite zu arbeiten. Für viele Selbstständige ist die Website das einzige Feld, auf dem sie sich sicher fühlen. Sie gehört ihnen, sie lässt sich ändern, der Fortschritt ist sichtbar. Genau deshalb landet dort die ganze Energie.

Bau die Aussenschicht auf, langsam und in dieser Reihenfolge. Zuerst die Orte, an denen ein Profil ohnehin hingehört: Verzeichnisse deiner Branche, Bewertungsplattform, Berufsverband. Danach Orte, an denen du inhaltlich beitragen kannst: ein Fachbeitrag, ein Interview, eine Antwort in einem Forum, in dem deine Kundschaft liest.

Erwarte keinen schnellen Ausschlag. Diese Schicht wächst über Monate. Sie ist dafür stabiler als alles, was du an einer einzelnen Seite änderst.

Was du dabei über dein Feld lernst

Es gibt einen Nebeneffekt dieser Arbeit, der mir wichtiger geworden ist als das Ergebnis selbst.

Wer nachschaut, welche fremden Seiten in seinem Feld als Quelle gelten, lernt sein eigenes Umfeld kennen. Man sieht, welche Medien überhaupt gelesen werden, welche Verzeichnisse gepflegt sind, wo diskutiert wird und wo es still ist.

Die meisten Selbstständigen kennen ihr Feld erstaunlich schlecht von aussen. Sie kennen ihre Kundschaft, ihre Konkurrenz vom Namen her und ihre eigene Seite in jedem Detail. Was dazwischen liegt, also die Schicht aus Medien, Foren und Verzeichnissen, bleibt oft ein blinder Fleck.

Zehn Minuten mit einer Kategoriefrage und einem Blick auf die genannten Quellen zeigen davon mehr als eine Stunde Konkurrenzanalyse.

Die unbequeme Seite davon

Dieser Befund verschiebt Arbeit an Orte, die dir nicht gehören. Das ist mühsamer, langsamer und weniger kontrollierbar als eine neue Unterseite.

Es ist auch der Grund, warum viele es nicht tun. Wer eine Stunde Zeit hat, schreibt lieber einen Beitrag für die eigene Seite, als eine Anfrage an ein Fachmedium zu schicken. Das Erste fühlt sich nach Fortschritt an, das Zweite nach Bitten.

Falls du diese Woche nur eine Sache tust, dann diese: Schreib drei Orte auf, an denen über dein Thema geschrieben wird und an denen dein Name bisher nicht vorkommt. Danach überleg dir, welcher davon am ehesten erreichbar ist.

Das ist unspektakulär. Es arbeitet genau dort, wo die Zahl oben hinzeigt.

Falls du zuerst wissen willst, wie deine Seite und dein Umfeld heute dastehen, mach den kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

FAQ

Häufige Fragen

Heisst das, meine Website ist unwichtig?

Nein. Deine Website ist die Voraussetzung dafür, dass ein System überhaupt weiss, wer du bist und was du anbietest. Sie ist nur selten die Seite, auf die in einer Antwort verlinkt wird. Beides gleichzeitig zu halten ist der Kern der Sache.

Woher stammt die Zahl?

Aus einer Auswertung von Victorious über 175 Marken und acht KI-Systeme, veröffentlicht Ende Juli 2026. Von den 49 391 untersuchten Zitaten führten 99,99 Prozent auf Seiten, die der jeweiligen Marke nicht gehören. Es handelt sich um bezahlten Inhalt einer SEO-Agentur, was bei der Einordnung dazugehört.

Welche fremden Seiten sind das typischerweise?

Fachmedien, Verzeichnisse, Bewertungsplattformen, Foren, Branchenportale und Vergleichsseiten. Also Orte, an denen jemand anderes über mehrere Anbieter schreibt und dabei einordnet.

Was kann ich konkret tun?

Dort auftauchen, wo über dein Thema geschrieben wird. Ein Fachbeitrag in einem Branchenmedium, ein gepflegtes Verzeichnisprofil, eine hilfreiche Antwort in einem Forum, ein Interview. Das wirkt langsamer als eine neue Unterseite und trägt weiter.

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