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Zehn Fragen, mit denen du deine KI-Sichtbarkeit selbst prüfst

Du brauchst kein Werkzeug und kein Budget, um herauszufinden, wie ChatGPT, Perplexity und Gemini über dich sprechen. Zehn Fragen, ein sauberes Vorgehen und ein Bewertungsraster, mit dem aus Eindrücken belastbare Notizen werden.

Aquarell einer Checkliste auf einem Holztisch am Ufer, daneben ein Fernglas, Sinnbild für das eigene Prüfen der Sichtbarkeit.

Die häufigste Frage in Erstgesprächen lautet inzwischen: «Woher weiss ich überhaupt, was die KI über mich sagt?» Die gute Nachricht ist, dass du dafür nichts kaufen musst. Eine Stunde, ein privates Browserfenster und eine Tabelle genügen für ein belastbares erstes Bild.

Ich mache diesen Test mit jeder Kundschaft am Anfang. Für mein eigenes Unternehmen wiederhole ich ihn monatlich. Was dabei herauskommt, ist selten schmeichelhaft und immer nützlich.

Die Regeln, bevor du anfängst

Ohne saubere Bedingungen misst du dich selbst statt den Markt.

Abgemeldet und im privaten Fenster. Sonst fliessen Verlauf, gespeicherte Angaben und frühere Gespräche ein.

Richtiges Land. Wer die Schweiz meint, sollte nicht über ein Netzwerk fragen, das in Deutschland endet.

Wortgleich. Jede Frage genau so stellen, wie du sie aufgeschrieben hast, bei jedem Durchgang.

Mehrfach. Jede Frage drei- bis fünfmal, in einem neuen Chat. Warum das nötig ist, steht in Warum KI-Antworten schwanken.

Notieren statt merken. Datum, System, Frage, Ergebnis, genannte Quellen.

Warum du jede Frage mehrfach stellen musst

Dieselbe Frage bringt zwei Minuten später oft eine andere Antwort. Das ist kein Fehler, sondern Teil der Funktionsweise, und es hat vier Gründe.

Das Modell wählt neu. Ein Sprachmodell berechnet Wahrscheinlichkeiten für das nächste Wort und zieht daraus. Zwei Durchläufe sind zwei Ziehungen.

Die Live-Suche ändert sich. Viele Antworten entstehen in zwei Schritten, erst Suche, dann Formulierung. Ändert sich die Trefferliste, ändert sich die Antwort.

Personalisierung. Verlauf, Standort und Sprache fliessen ein. Genau deshalb misst du abgemeldet.

Die Systeme selbst ändern sich. Modelle werden aktualisiert, Suchanbindungen umgestellt. Nach solchen Umstellungen schwanken die Ergebnisse stärker als sonst.

Deshalb zählt nicht, ob du vorkommst, sondern in wie vielen von fünf Durchläufen. Eine Nennung in einem von fünf ist ein Hinweis. Drei von fünf über mehrere Wochen sind Sichtbarkeit.

Wie unterschiedlich die Systeme dabei arbeiten, zeigt Zwei Drittel aller Marken erscheinen nur in einem einzigen KI-System.

Die zehn Fragen

Ersetze die eckigen Klammern durch deine Angaben. Fünf Fragen zielen auf deinen Namen, fünf auf deine Kategorie. Diese Trennung ist der Kern des Tests.

1. Die Steckbriefprobe. «Was macht [Firmenname]?» Prüft, ob dein Angebot überhaupt erfasst ist und ob die Beschreibung zur heutigen Positionierung passt.

2. Die Zielgruppenprobe. «Für wen arbeitet [Firmenname] und was kostet die Zusammenarbeit?» Zeigt, ob Zielgruppe und Preisrahmen bekannt sind. Fehlen sie, ist das oft ein Hinweis auf zu vage Angaben auf der eigenen Seite.

3. Die Belegprobe. «Welche Referenzen, Zertifikate oder Bewertungen hat [Firmenname]?» Prüft deine Vertrauenssignale. Wenn hier nichts kommt, sind deine Belege für Maschinen unsichtbar.

4. Die Aktualitätsprobe. «Was hat sich bei [Firmenname] in den letzten zwölf Monaten verändert?» Deckt veraltete Beschreibungen auf, die oft aus alten Profilen stammen.

5. Die Quellenprobe. «Welche Quellen hast du für deine Angaben zu [Firmenname] verwendet?» Die wichtigste Frage im Namensblock. Sie zeigt dir, welche fremden Seiten dein Bild prägen.

6. Die Kategorieprobe. «Wer hilft [Zielgruppe] bei [Problem] in [Region]?» Die Königsfrage. Hier entscheidet sich, ob du als Anbieter giltst.

7. Die Kriterienprobe. «Woran erkenne ich eine gute Anbieterin für [Leistung]?» Zeigt, welche Massstäbe gesetzt werden und ob deine Inhalte diese Massstäbe mitprägen.

8. Die Vergleichsprobe. «Was unterscheidet [Firmenname] von anderen Anbietern für [Leistung]?» Prüft, ob deine Besonderheit angekommen ist oder ob du als austauschbar beschrieben wirst.

9. Die Alternativprobe. «Nenne mir drei Alternativen zu [Firmenname].» Verrät, in welchem Wettbewerbsumfeld dich das System einordnet. Manchmal überraschend und immer lehrreich.

10. Die Regionalprobe. «Welche Anbieter für [Leistung] gibt es in [Stadt oder Kanton]?» Deckt auf, ob deine lokalen Signale wirken. Mehr dazu in Lokale KI-Sichtbarkeit.

So bewertest du die Antworten

Vergib je Frage eine von vier Noten. Das klingt nach Schulnoten und macht den Verlauf über Monate vergleichbar.

Grün. Du wirst genannt und korrekt beschrieben. Gelb. Du wirst genannt, die Beschreibung ist unvollständig oder veraltet. Orange. Du wirst nicht genannt, aber dein Thema wird richtig beschrieben. Rot. Du kommst nicht vor und das Thema wird ohne dich abgehandelt.

Zähle am Ende, wie viele Fragen in welcher Farbe liegen, getrennt nach Namens- und Kategorieblock.

Wie du die Muster liest

Namensblock grün, Kategorieblock rot. Das ist der häufigste Befund und er hat wenig mit deiner Website zu tun. Deine Seite erklärt dich gut, es fehlen Erwähnungen auf fremden Quellen. Der nächste Schritt liegt ausserhalb deiner Domain.

Beide Blöcke gelb. Deine Angaben sind vorhanden, aber unscharf. Hier hilft Arbeit an Positionierung und an klaren, zitierfähigen Abschnitten.

Namensblock gelb bis rot. Etwas Grundlegendes fehlt: eine Über-mich-Seite mit erkennbarer Autorschaft, strukturierte Daten, vollständige Profile. Hier startest du bei den Grundlagen.

Alles grün. Selten. Dann geht es um Halten und um Ausbau in weitere Systeme.

Was du beim ersten Mal wahrscheinlich erlebst

Zwei Reaktionen sehe ich immer wieder.

Die erste ist Erleichterung: «Immerhin kennt mich ChatGPT.» Das stimmt meist und bedeutet wenig, weil jemand, der deinen Namen tippt, dich ohnehin schon kennt.

Die zweite ist Ernüchterung bei Frage sechs. Dort tauchen oft grosse Agenturen auf, die inhaltlich weiter weg sind als du, dafür in Verzeichnissen und Fachmedien stehen.

Bei meiner eigenen Messung im September war es genau so: Bei allen fünf Namensfragen wurde ich genannt, bei den Kategoriefragen in keinem einzigen Durchlauf. Das war unangenehm und nützlich, weil es die Arbeit der nächsten Monate sortiert hat.

Der Rhythmus danach

Einmal im Monat, immer am selben Wochentag, mit denselben Fragen. Zwanzig Minuten. Drei Messungen ergeben bereits eine Linie. Eine Linie schützt vor zwei Fehlern: vor Panik nach einem schlechten Tag und vor Euphorie nach einem guten.

Eine Vorlage für deine Tabelle

Feld Beispiel
Datum 12.09.2026
System Perplexity
Frageblock Kategorie
Frage «Wer hilft Schweizer KMU dabei, in ChatGPT empfohlen zu werden?»
Genannt 2 von 5 Durchläufen
Farbe Orange
Genannte Quellen drei Domains, zwei davon Verzeichnisse
Auffälligkeit Wettbewerber X in allen fünf Durchläufen

Die letzte Zeile ist die interessanteste. Wer in deiner Kategorie immer genannt wird, zeigt dir, welche Quellen funktionieren. Schau dir an, wo dieses Unternehmen erwähnt wird. Prüfe danach, ob dieselben Orte für dich erreichbar sind.

Drei Fehler, die den Test wertlos machen

Eingeloggt fragen. Du misst dann deinen eigenen Verlauf. Das Ergebnis fällt fast immer zu freundlich aus.

Die Frage nachschärfen. Wenn beim ersten Versuch nichts kommt, ist die Versuchung gross, die Frage enger zu stellen, bis der eigene Name fällt. Das fühlt sich besser an und sagt nichts aus.

Nur ein System prüfen. ChatGPT und Perplexity teilen nach einer Auswertung nur rund elf Prozent ihrer Quellen. Wer nur eines prüft, zieht Schlüsse aus einem Ausschnitt. Mehr dazu in Jede KI zitiert andere Quellen.

Was du mit dem Ergebnis konkret machst

Bei Rot im Kategorieblock: Arbeite an Erwähnungen ausserhalb deiner Website. Verzeichnisse, Fachmedien, Bewertungen. Welche Quellen in der Beratungsnische zählen, steht in Die Verzeichnisse, die bei Anbieterfragen zitiert werden.

Bei Gelb im Namensblock: Prüfe deine eigenen Angaben. Meist stammt die veraltete Beschreibung aus einem alten Profil, das noch online ist.

Bei Orange: Dein Thema ist erfasst, du noch nicht. Hier helfen zitierfähige Inhalte, die eine konkrete Frage vollständig beantworten.

Bei falscher Einordnung in der Alternativprobe: Deine Positionierung ist zu nah an einer anderen Kategorie. Das ist ein Fall für die Texte, nicht für die Technik.

Wenn du deine Ergebnisse einordnen willst, ist der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check eine gute Ergänzung. Er schaut aus derselben Perspektive auf deine Website und zeigt, was eine KI dort technisch vorfindet. Dein Selbsttest zeigt, was am Ende dabei herauskommt. Zusammen ergeben beide ein vollständiges Bild.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

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FAQ

Häufige Fragen

Wie lange dauert dieser Selbsttest?

Etwa eine Stunde beim ersten Mal, danach rund zwanzig Minuten pro Durchgang. Der Aufwand lohnt sich, weil du danach weisst, ob du bei Namensfragen oder bei Kategoriefragen fehlst. Das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.

Muss ich mich dafür abmelden?

Ja. Eingeloggt bekommst du eine Antwort, die deinen Verlauf und deine gespeicherten Angaben berücksichtigt. Das schmeichelt und verfälscht. Nutze ein privates Fenster und melde dich ab, wo es möglich ist.

Welche Systeme soll ich prüfen?

Mindestens ChatGPT, Perplexity und den KI-Modus von Google, idealerweise ergänzt durch Gemini oder Copilot. Die Systeme greifen auf unterschiedliche Quellen zu, deshalb sagt ein einzelnes wenig über deine Lage aus.

Was mache ich mit dem Ergebnis?

Du leitest daraus die nächste Massnahme ab. Fehlst du bei Kategoriefragen, arbeitest du an Erwähnungen ausserhalb deiner Website. Wirst du falsch beschrieben, korrigierst du zuerst deine eigenen Angaben und die Profile, aus denen die alte Beschreibung stammt.

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