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Zwei Drittel aller Marken erscheinen nur in einem einzigen KI-System

Wer seine Sichtbarkeit nur in ChatGPT prüft, misst einen Ausschnitt. Rund 68 Prozent der untersuchten Marken tauchten bei genau einem System auf. Was das für die Messung und für die Erwartung bedeutet.

Aquarell mehrerer Leuchttürme entlang einer Küste, die jeweils einen anderen Ausschnitt des Wassers beleuchten, Sinnbild für KI-Systeme mit unterschiedlicher Sicht.

Wenn jemand wissen will, ob er in KI-Antworten vorkommt, öffnet er ChatGPT und stellt eine Frage. Das ist naheliegend, es ist das bekannteste System.

Nach dem, was inzwischen gemessen wird, ist es auch die häufigste Fehlerquelle bei der Selbsteinschätzung.

Die Zahl

In einer Auswertung über mehrere Systeme hinweg erschienen rund 68 Prozent der untersuchten Marken bei genau einem einzigen System. Je nach Modell waren zwischen 37 und 52 Prozent der dort genannten Marken exklusiv, tauchten also nirgends sonst auf.

Dazu kommt eine zweite Beobachtung. ChatGPT und Perplexity verhalten sich noch am ähnlichsten, ihre Zitierraten hängen mit einem Korrelationswert von 0,78 zusammen. Beide liegen zu Googles AI Overviews nur bei 0,54.

Anders gesagt: Wer nur bei ChatGPT nachschaut, sieht einen Ausschnitt. Dieser Ausschnitt sagt wenig darüber, wie es bei Google aussieht.

Warum das so ist

Ich habe an anderer Stelle beschrieben, dass OpenAI inzwischen einen eigenen Index betreibt. Dasselbe gilt sinngemäss für die anderen Anbieter. Jedes System hat eigene Suchroboter, einen eigenen Bestand, teils nicht offengelegte Partner und eigene Regeln dafür, welche Quellen es für belastbar hält.

Es sind also nicht verschiedene Fenster auf dieselbe Auswahl. Es sind verschiedene Auswahlen. Wie unterschiedlich die Quellen dabei ausfallen, habe ich in Jede KI zitiert andere Quellen beschrieben.

Google hat dabei eine Sonderstellung, weil die AI Overviews aus dem Suchindex gespeist werden. Wer bei Google gar nicht indexiert ist, kommt dort auch nicht vor. Bei ChatGPT gilt das nicht in derselben Weise.

Was das für deine Messung heisst

Drei praktische Folgen.

Prüf mindestens zwei Systeme. Sinnvollerweise eines aus dem ChatGPT-Umfeld und eines aus dem Google-Umfeld, weil diese beiden am weitesten auseinanderliegen. Wer nur eines prüft, kann sich sowohl unnötig ärgern als auch unnötig beruhigen.

Halte die Bedingungen fest. Dieselbe Frage, dasselbe System, derselbe Wortlaut, notiert mit Datum. Ohne diese Disziplin misst du deine Erinnerung. Die Systeme antworten ausserdem nicht immer gleich, auch bei identischer Frage.

Erwarte keine Einheitlichkeit. Wenn du bei einem System auftauchst und bei einem anderen nicht, ist das der Normalfall und kein Fehler.

Was das für die Arbeit heisst

Hier liegt der beruhigende Teil. Er wird selten mitgeliefert.

Aus der Streuung folgt nicht, dass du für jedes System eine eigene Strategie brauchst. Es gibt keine Stellschraube, die nur bei Perplexity wirkt. Niemand, der dir das verkauft, kann es belegen.

Was wirkt, wirkt überall in dieselbe Richtung. Klare Aussagen, überprüfbare Angaben, Erwähnungen ausserhalb der eigenen Seite. Die Systeme unterscheiden sich darin, welche Quellen sie kennen und heranziehen. Sie unterscheiden sich nicht darin, dass sie belegbare Aussagen bevorzugen.

Die Streuung ist deshalb vor allem eine Aussage über Messung, weniger über Massnahmen.

Welche Systeme sich für die Prüfung lohnen

Wenn zwei genügen, stellt sich die Frage, welche zwei.

Eines aus dem ChatGPT-Umfeld. Es hat die grösste Verbreitung und einen eigenen Index, der sich anders verhält als Googles. Für die meisten Selbstständigen ist das die naheliegende erste Wahl.

Eines aus dem Google-Umfeld, also die AI Overviews oder der AI Mode. Sie speisen sich aus dem Suchindex und zeigen dir damit indirekt, ob deine klassische Auffindbarkeit trägt.

Perplexity als freiwillige Ergänzung. Es zeigt seine Quellen am deutlichsten an, was für die Beobachtung praktisch ist. Wenn du wissen willst, welche fremden Seiten in deinem Feld als Beleg gelten, ist das der schnellste Weg dorthin.

Was ich nicht empfehle, ist der Versuch, alle sechs oder acht zu verfolgen. Der Aufwand steigt linear, der Erkenntnisgewinn nicht.

Was das für die eigene Erwartung heisst

Es gibt eine psychologische Seite an diesem Befund, die ich in Gesprächen häufiger sehe als die technische.

Wer einmal in einer KI-Antwort auftaucht, überschätzt daraufhin seine Lage erheblich. Der Moment fühlt sich nach Bestätigung an. Man erzählt ihn weiter. Wer einmal fehlt, unterschätzt sie genauso.

Beide Reaktionen entstehen aus derselben Annahme: dass es eine Wahrheit gibt, die diese eine Antwort abbildet. Die gibt es nicht mehr. Es gibt mehrere Sichten, die sich zu zwei Dritteln nicht überschneiden, dazu eine Streuung innerhalb desselben Systems bei wiederholter Frage.

Nüchtern bleibt man, indem man Einzelbeobachtungen gar nicht erst bewertet und nur den Verlauf anschaut. Drei Monate mit derselben Tabelle sagen mehr als zwanzig spontane Abfragen.

Warum die Systeme sich mit der Zeit annähern könnten

Eine Einordnung, die zur Vorsicht mahnt, damit du diesen Befund nicht für dauerhaft hältst.

Die grosse Streuung ist zu einem Teil ein Zeichen von Unreife. Die Anbieter bauen ihre Indizes gerade erst auf, kaufen Zugänge zu, wechseln Partner und ändern ihre Bewertungsregeln. Was heute stark auseinanderliegt, kann sich in zwei Jahren angenähert haben.

Möglich ist auch das Gegenteil. Wenn die Anbieter unterschiedliche Datenquellen exklusiv binden, wächst der Abstand.

Was in beiden Fällen gilt: Die Grundlagen wirken in alle Richtungen. Wer auf klare Aussagen und Erwähnungen ausserhalb der eigenen Seite setzt, hat in beiden Zukünften gearbeitet. Wer auf die Eigenheiten eines einzelnen Systems setzt, in keiner von beiden.

Der Punkt, der mich daran beschäftigt

Es gibt eine Folge, die über die Technik hinausgeht.

Wenn zwei Menschen dieselbe Frage stellen und verschiedene Systeme nutzen, bekommen sie unterschiedliche Empfehlungen. Das betrifft nicht Nuancen, es geht um teils vollständig verschiedene Namen.

Für die Suchmaschine galt lange, dass alle ungefähr dasselbe sahen. Diese gemeinsame Grundlage ist weg. Es gibt nicht mehr die eine Trefferliste, über die man sprechen kann, es gibt mehrere Sichten nebeneinander.

Für dich heisst das, dass Sichtbarkeit weniger eindeutig geworden ist. Du kannst gleichzeitig gut und gar nicht sichtbar sein, je nachdem, wen man fragt. Wer eine einzelne Antwort als Urteil über die eigene Lage nimmt, überschätzt oder unterschätzt sich fast zwangsläufig.

Was das für Erfolgsmeldungen bedeutet

Es gibt eine praktische Folge, die im Alltag mit Anbietern wichtig wird.

Wenn dir jemand zeigt, dass du nach seiner Arbeit in KI-Antworten auftauchst, lohnt die Rückfrage, in welchem System gemessen wurde und mit welcher Frage. Eine Nennung in einem einzigen System bei einer eng gestellten Frage ist ein schwacher Beleg, weil sie sich mit etwas Suchen fast immer herstellen lässt.

Belastbar wird es, wenn dieselbe Frage über mehrere Systeme hinweg dasselbe zeigt, über mehrere Zeitpunkte hinweg.

Das ist kein Misstrauen gegenüber Anbietern, es ist dieselbe Sorgfalt, die du bei jeder anderen Kennzahl anwenden würdest. Woran du sonst noch eine seriöse Zusammenarbeit erkennst, steht in Woran du einen guten GEO-Experten erkennst.

Was ich empfehle

Leg dir eine kleine Tabelle an. Drei Fragen, zwei Systeme, einmal im Monat, ein Blatt pro Quartal.

In die Spalten kommt, ob dein Name genannt wurde, wer stattdessen genannt wurde und welche Quellen unter der Antwort standen. Die dritte Spalte ist die aufschlussreichste, denn dort siehst du, welche fremden Seiten in deinem Feld als Beleg gelten. Das ist zugleich deine Arbeitsliste.

Nach drei Monaten hast du etwas, das keine einzelne Abfrage liefern kann: einen Verlauf. Was eine solche Prüfung leisten kann und wo ihre Grenze liegt, steht in Was ein KI-Sichtbarkeits-Check wirklich zeigt. Ausserdem siehst du, ob eine Veränderung nur bei einem System auftritt oder bei mehreren.

Das dauert pro Monat eine Viertelstunde. Es ist die einzige Messung in diesem Feld, die ich für wirklich verlässlich halte, weil du sie selbst kontrollierst.

Für den Ausgangspunkt kannst du den kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Check nehmen, danach führst du die Tabelle selbst weiter.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

FAQ

Häufige Fragen

Wie stark unterscheiden sich die Systeme?

Sehr stark. In der untersuchten Stichprobe erschienen rund 68 Prozent der Marken bei nur einem einzigen System. Je nach Modell waren 37 bis 52 Prozent der genannten Marken exklusiv für dieses eine Modell. ChatGPT und Perplexity ähneln sich noch am ehesten, beide unterscheiden sich deutlich von Googles AI Overviews.

Welches System soll ich prüfen?

Mindestens zwei, immer dieselben. Sinnvoll ist eines aus dem ChatGPT-Umfeld und eines aus dem Google-Umfeld, weil diese beiden am weitesten auseinanderliegen. Perplexity lohnt sich zusätzlich, weil es seine Quellen am deutlichsten anzeigt.

Heisst das, ich muss überall optimieren?

Nein, das wäre weder möglich noch nötig. Was hilft, wirkt bei allen: klare Aussagen, überprüfbare Angaben und Erwähnungen ausserhalb der eigenen Seite. Was sich unterscheidet, ist die Auswahl der Quellen. Darauf hast du ohnehin keinen direkten Zugriff.

Warum sind die Ergebnisse so unterschiedlich?

Weil jedes System einen eigenen Zugang zum Netz hat. Eigene Suchroboter, eigene Indizes, teils nicht offengelegte Partner, dazu unterschiedliche Regeln, welche Quellen als vertrauenswürdig gelten. Die Systeme schöpfen aus demselben Netz und wählen daraus verschieden aus.

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