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Auch kleine Seiten werden zitiert: du brauchst keine grosse Domain

Die Annahme, für KI-Antworten brauche es Autorität und Grösse, hält viele Selbstständige vom Anfangen ab. Die Auswertungen zeigen ein anderes Bild. Für Einzelunternehmen ist das die beste Nachricht des Jahres.

Aquarell eines kleinen Ruderboots, das neben grösseren Schiffen an derselben Anlegestelle festmacht, Sinnbild dafür, dass auch kleine Websites als Quelle zitiert werden.

In fast jedem Gespräch über KI-Sichtbarkeit kommt irgendwann derselbe Satz. Er klingt jedes Mal ein bisschen anders und meint immer dasselbe: «Gegen die Grossen komme ich doch sowieso nicht an.»

Dahinter steckt eine Annahme aus zwanzig Jahren Suchmaschinenarbeit. Wer die stärkere Domain hat, gewinnt. Wer klein ist, wartet.

Diese Annahme ist bei KI-Antworten nur noch teilweise richtig. Der Unterschied lohnt sich anzuschauen.

Was die Auswertungen zeigen

Der Suchindex, aus dem ChatGPT beim Nachschlagen zitiert, bedient nicht nur grosse Anbieter. Auswertungen dieses Index zeigen, dass dort auch kleine Websites vertreten sind und als Quelle dienen.

Dazu passt eine zweite Beobachtung, die ich gestern schon beschrieben habe: Nur rund 10 Prozent der von ChatGPT zitierten Adressen stehen in Googles ersten zehn Ergebnissen. Die Auswahl fällt also erkennbar anders aus als in der Trefferliste.

Die grosse Korrelationsauswertung von Ahrefs über 75 000 Marken zeigt ausserdem, dass klassische Autoritätswerte schwächer zusammenhängen als erwartet. Web-Erwähnungen kommen auf 0,664, Backlinks nur auf 0,218.

Grösse hilft. Sie entscheidet aber nicht.

Warum das so ist

Der Grund liegt in der Aufgabe, die ein KI-System löst.

Eine Suchmaschine muss eine Liste füllen. Zehn Plätze, viele Bewerber. Wer mehr Vertrauen mitbringt, rückt nach vorn. Das begünstigt Grösse zwangsläufig.

Ein KI-System schreibt eine Antwort. Es braucht für einzelne Aussagen eine Stelle, die diese Aussage stützt. Ob diese Stelle auf einer grossen Seite steht oder auf einer kleinen, ist für die Aufgabe zweitrangig. Entscheidend ist, dass sie die Aussage klar und nachvollziehbar enthält.

Damit verschiebt sich der Wettbewerb. Weg von der Autorität führt er nicht ganz, ein gutes Stück hin zur Passgenauigkeit aber schon.

Wo kleine Seiten sogar im Vorteil sind

Es gibt drei Stellen, an denen Grösse eher hinderlich ist.

Bei engen Fragen. Ein grosser Anbieter schreibt für ein breites Publikum. Er beantwortet «Was kostet eine Beratung» allgemein. Du beantwortest «Was kostet eine Beratung für ein Team von acht Personen im Non-Profit-Bereich», weil das genau dein Feld ist. Für diese Frage bist du die bessere Quelle.

Bei regionalen Fragen. Wer in der Schweiz arbeitet, kennt Besonderheiten, die in einem deutschen Ratgeber fehlen. Diese Lücke ist real und auffindbar.

Bei Erfahrung aus erster Hand. Ein Bericht darüber, was in einem konkreten Fall passiert ist, lässt sich nicht aus anderen Quellen zusammensetzen. Genau solche Stellen brauchen KI-Systeme, weil sie sonst nur Allgemeinplätze aneinanderreihen.

Was Grösse trotzdem leistet

Damit das nicht zu leicht klingt: Bekanntheit wirkt weiterhin, nur auf einem anderen Weg.

Wer bekannt ist, wird häufiger erwähnt. Diese Erwähnungen sind das Signal, das am stärksten mit Sichtbarkeit in KI-Antworten zusammenhängt. Grosse Marken haben hier einen Vorsprung, den sie nicht gekauft haben.

Der Punkt ist nur: Dieser Vorsprung lässt sich verkleinern, nämlich an Orten ausserhalb deiner Website. Ein Fachbeitrag, ein Verzeichniseintrag, eine hilfreiche Antwort in einem Forum. Mehr dazu in Warum fremde Seiten über deine KI-Empfehlung mitentscheiden.

Ein Beispiel, das den Unterschied zeigt

Nimm zwei Seiten zum selben Thema.

Die eine gehört einem grossen Anbieter. Sie heisst «Führungskräfte-Coaching» und behandelt alles: Definition, Nutzen, Formate, Ablauf, Preise, Referenzen. Zweitausend Wörter, sauber gemacht, bei Google auf Platz drei.

Die andere gehört einer Einzelberaterin. Sie heisst «Ab wann lohnt sich Führungscoaching für ein Team von unter zehn Personen» und ist achthundert Wörter lang. Die Antwort steht im zweiten Satz.

Fragt jemand allgemein nach Führungskräfte-Coaching, gewinnt die erste Seite. Fragt jemand genau die zweite Frage, ist die zweite Seite die brauchbarere Quelle, weil sie die Antwort in einem Stück enthält.

Weil Menschen inzwischen ausführlicher fragen, kommt die zweite Situation häufiger vor als früher. Dazu passen die Zahlen aus Die Frage ist länger geworden.

Was Zeit spart

Wenn du wenig Zeit hast, hier die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt.

Zuerst technisch prüfen, ob überhaupt jemand hereinkommt. Das kostet zwanzig Minuten und ist die einzige Stelle, an der ein einzelner Fehler alles Weitere wertlos macht.

Dann drei bis fünf echte Fragen sammeln und je eine Seite dazu schreiben. Nicht zwanzig, drei bis fünf. Danach schaust du, was passiert.

Erst danach über Erwähnungen ausserhalb der eigenen Seite nachdenken. Diese Arbeit trägt am weitesten, sie braucht allerdings etwas, worauf verwiesen werden kann.

Diese Reihenfolge ist unspektakulär. Sie verhindert die häufigste Verschwendung, nämlich Monate an Inhalten für eine Seite, die technisch gar nicht erreichbar ist.

Warum du trotzdem nicht vorkommst

Wenn Grösse selten die Ursache ist, was dann? Aus der Praxis in dieser Reihenfolge:

Erstens die Erreichbarkeit. Deine Seite lädt langsam, ist für Suchroboter gesperrt oder liefert Inhalte erst nach, wenn ein Skript geladen hat. Dann steht sie in keinem Index. Was du dagegen prüfst, steht in Welche KI-Bots deine Seite besuchen.

Zweitens die Form. Deine Antwort steht in einem Fliesstext, in dem sie erst im vierten Abschnitt auftaucht. Ein System, das eine Passage sucht, findet sie dort schwerer.

Drittens die Klarheit. Du schreibst über «ganzheitliche Begleitung» statt darüber, was du für wen löst. Das lässt sich nicht als Beleg verwenden, weil es nichts behauptet, das man stützen könnte.

Viertens die Frage selbst. Zu manchen Themen stellt niemand eine Frage. Dann gibt es auch keine Antwort, in der du vorkommen könntest.

Erst danach kommt Grösse. Dann steht sie allerdings ziemlich weit hinten.

Was ich in Prüfungen tatsächlich sehe

Wenn ich mir die Sichtbarkeit einer kleinen Seite anschaue, sind die Befunde erstaunlich ähnlich.

Fast immer gibt es mindestens ein Thema, bei dem die Seite bereits als Quelle auftaucht, ohne dass jemand davon wusste. Meist ist es ein Nebenthema, oft ein älterer Beitrag, in dem zufällig eine Frage sauber beantwortet wird.

Fast immer fehlt gleichzeitig die naheliegendste Seite. Es gibt keine, die die Kernfrage des Angebots direkt beantwortet, weil diese Frage als zu selbstverständlich galt.

Fast immer steht ausserdem auf der Startseite ein Satz, der nichts behauptet. «Wir begleiten Menschen auf ihrem Weg» lässt sich nicht als Beleg verwenden, weil er keine überprüfbare Aussage enthält.

Diese drei Beobachtungen zusammen ergeben eine gute Nachricht. Der Abstand zur Sichtbarkeit besteht meist aus zwei bis drei Seiten und einer klareren Formulierung, nicht aus jahrelangem Aufbau.

Der praktische Anfang

Nimm eine Frage, die dir Kund/innen wirklich stellen. Nimm dafür nicht eine, die du für relevant hältst. Nimm eine, die dir im Gespräch schon dreimal begegnet ist.

Schreib dazu eine Seite. Die Antwort gehört in den ersten Absatz. Danach die Begründung, danach die Ausnahmen. Ein klarer Titel, der die Frage enthält.

Das ist unspektakulär und es ist die Form, die zitiert wird. Sie braucht keine Domain-Autorität, sie braucht Genauigkeit.

Die Frage, die du dir zuerst stellen solltest

Bevor du irgendetwas umsetzt, lohnt eine Frage, die selten gestellt wird: Fragt überhaupt jemand nach dem, was du anbietest?

Bei manchen Themen ist die Antwort nein. Das liegt selten am Angebot. Es liegt daran, dass Menschen mit diesem Problem gar nicht wissen, dass es dafür eine Lösung gibt. Sie suchen dann nach dem Symptom, nicht nach dem Angebot.

Ein Beispiel: Niemand sucht nach «Prozessbegleitung für Führungsteams». Gesucht wird nach «Warum treffen wir in Sitzungen keine Entscheidungen».

Für kleine Anbieter ist das die wichtigere Weichenstellung als jede technische Massnahme. Wer die Symptomfrage bedient, kommt in Antworten vor. Wer nur den Fachbegriff bedient, wartet auf Menschen, die ihn kennen.

Das ist zugleich die Stelle, an der Grösse am wenigsten hilft. Ein grosser Anbieter denkt in Kategorien, weil er viele bedienen muss. Du kannst in Symptomen denken, weil du wenige sehr gut kennst.

Der Zusatz, der dazugehört

Es wäre falsch, aus diesem Beitrag mitzunehmen, dass jetzt alle die gleichen Chancen haben. Das ist nicht so.

Was stimmt: Die Hürde ist niedriger, als die meisten annehmen. Sie liegt ausserdem an einer anderen Stelle, nämlich bei Genauigkeit und Erreichbarkeit statt bei Grösse und Budget.

Für jemanden, der allein arbeitet, ist das der Unterschied zwischen «lohnt sich nicht» und «lohnt sich, wenn ich sorgfältig bin». Sorgfalt ist die eine Währung, die Selbstständige tatsächlich haben.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

FAQ

Häufige Fragen

Brauche ich eine hohe Domain-Autorität, um in KI-Antworten vorzukommen?

Nein. Auswertungen des Suchindex von ChatGPT zeigen, dass dort auch kleine Websites als Quelle dienen. Dazu passt der Befund, dass nur rund ein Zehntel der zitierten Adressen in Googles ersten zehn Ergebnissen steht. Für die Auswahl einer Quelle gelten teilweise andere Regeln als für die Trefferliste.

Warum werde ich dann trotzdem nicht zitiert?

Häufig liegt es an der Erreichbarkeit, an unklaren Aussagen oder daran, dass es zu deinem Thema keine Frage gibt, die jemand einer KI stellt. Grösse ist selten die Ursache. Prüfe zuerst die technische Seite, danach die Klarheit deiner Aussagen.

Heisst das, dass Autorität keine Rolle spielt?

Sie spielt eine Rolle, nur eine kleinere als angenommen. Messungen zeigen für klassische Autoritätswerte deutlich schwächere Zusammenhänge als für Erwähnungen ausserhalb der eigenen Website. Autorität hilft, sie ist aber keine Bedingung.

Was ist der schnellste Weg für eine kleine Seite?

Eine echte Frage deiner Kundschaft nehmen und sie auf einer eigenen Seite so beantworten, dass die Antwort im ersten Absatz steht. Diese Form ist als Beleg brauchbar und dafür braucht es keine Grösse.

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