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Dein LinkedIn-Profil entscheidet mit, ob die KI dich nennt

Für viele Beratende ist LinkedIn die zweite Website. KI-Systeme lesen dort mit, allerdings anders als vermutet. Welche Profilteile auswertbar sind, welche Angaben Eindeutigkeit schaffen und warum die schönste Slogan-Zeile oft genau das Gegenteil bewirkt.

Aquarell einer Visitenkarte und eines Profilrahmens auf einem Holztisch, daneben eine Lupe, Sinnbild für das maschinelle Lesen eines Profils.

In fast jedem Audit sehe ich dasselbe Muster. Die Website ist zurückhaltend formuliert, vorsichtig, manchmal seit Jahren unverändert. Das LinkedIn-Profil dagegen ist lebendig, aktuell und voller Aussagen über die eigene Arbeit. Beides beschreibt dieselbe Person, nur in zwei verschiedenen Sprachen.

Für Menschen ist das kein Problem. Für ein System, das aus mehreren Quellen ein Bild von dir zusammensetzt, ist es eines.

Warum ausgerechnet LinkedIn

Die stärksten Signale für eine Nennung in KI-Antworten liegen ausserhalb der eigenen Website. Eine Auswertung von Ahrefs über 75‘000 Marken zeigt die höchste Korrelation zur Sichtbarkeit in Googles KI-Übersichten bei Web-Erwähnungen, deutlich vor Backlinks. Warum das so ist, habe ich in Warum fremde Seiten über deine KI-Empfehlung mitentscheiden ausgeführt.

Für Beratende ist LinkedIn der Ort, an dem diese Erwähnungen am dichtesten entstehen. Dein Profil, deine Beiträge, die Kommentare anderer, Nennungen in fremden Beiträgen, Veranstaltungshinweise, gemeinsame Projekte. Das ist keine Nebenbühne, das ist für viele der grösste öffentliche Teil ihrer beruflichen Spur.

Eine Einschränkung gehört dazu, weil sie oft verschwiegen wird: LinkedIn sperrt automatisierte Zugriffe weitgehend. Ein KI-System liest dein Profil deshalb nicht so vollständig und so verlässlich wie deine eigene Website. Was ankommt, sind der öffentlich sichtbare Profilteil sowie das, was ausserhalb von LinkedIn über deinen Auftritt dort geschrieben wird. Deine Website bleibt die verlässlichere Quelle. Das Profil ergänzt sie.

Die fünf Profilteile, auf die es ankommt

Die Slogan-Zeile

Sie steht unter deinem Namen, erscheint in jeder Suche, unter jedem Kommentar und in jeder Benachrichtigung. Sie ist die am häufigsten gelesene Zeile deines gesamten Auftritts.

Genau deshalb ist sie so oft unbrauchbar. Wer dort «Ich bringe Klarheit, wo vorher Nebel war» schreibt, hat einen schönen Satz und keine auswertbare Aussage. Eine Maschine kann daraus weder deine Leistung noch deine Zielgruppe noch dein Gebiet ableiten.

Brauchbar ist die nüchterne Form: Leistung, für wen, wo. «Strategieberatung für Industrieunternehmen in der Ostschweiz» sagt einem System alles, was es braucht, um dich bei einer passenden Frage in Erwägung zu ziehen. Poesie darf danach kommen.

Der Info-Abschnitt

Hier hast du Platz für zwei- bis dreitausend Zeichen. Die ersten drei Zeilen sind vor dem Klick auf «mehr anzeigen» sichtbar, alles danach wird eingeklappt.

Die ersten drei Zeilen gehören deshalb der klaren Aussage: wer du bist, für wen du arbeitest, woran man dich erkennt. Was danach folgt, darf ausführlich sein. Nimm dort auf, was auf deiner Website steht, mit denselben Begriffen. Widersprüche zwischen den Quellen sind das, was Systeme unsicher macht.

Ein zweiter Punkt, der oft fehlt: Schreib hinein, welche Fragen du beantwortest. Fragen sind die Form, in der Menschen suchen und eine Frage im Text ist ein Anknüpfungspunkt.

Die Berufserfahrung

Für Menschen ist das die Vergangenheit, für Systeme ist es der Beleg. Hier steht, wie lange du in deinem Feld arbeitest, in welchen Zusammenhängen und mit welchen Rollen. Genau diese Angaben braucht jede Einschätzung von Erfahrung und Fachkunde.

Vollständige Firmennamen sind wichtiger als Abkürzungen. Eine Beschreibung mit ein paar Sätzen ist wertvoller als ein leerer Eintrag mit Datum. Hast du mit bekannten Auftraggebenden gearbeitet, dann nenn sie dort, soweit du darfst.

Die Kompetenzen

Der unterschätzteste Teil. Kompetenzen sind eine Liste klarer Begriffe, die deinem Namen zugeordnet sind. Genau in dieser Form braucht ein System Themen: als saubere Begriffe, nicht als Andeutungen im Fliesstext.

Halte die Liste kurz und ernsthaft. Zwanzig Kompetenzen, von denen fünfzehn zu deinem Nebenfach gehören, verwässern die Zuordnung. Zehn, die dein Feld genau beschreiben, sind besser.

Dasselbe Prinzip nutzt du auf deiner Website über das Feld knowsAbout in den strukturierten Daten. Welche Typen dort sonst noch zählen, steht in Strukturierte Daten für Beratende.

Die Empfehlungen

Ein Text, den jemand anderes über dich geschrieben hat, auf einer Seite, die dir nicht gehört. Das ist inhaltlich näher an einer Erwähnung als an einer Selbstbeschreibung und deshalb wiegt es schwerer.

Fünf ausführliche Empfehlungen aus deinem Feld wirken stärker als dreissig Zeilen Eigenlob. Bitte aktiv darum, am besten nach einem abgeschlossenen Projekt und gib der Person zwei, drei Stichworte mit, worum es ging. Das erleichtert ihr das Schreiben und sorgt dafür, dass die richtigen Begriffe vorkommen.

Die Eindeutigkeitsregel

Hier liegt der eigentliche Hebel und er kostet nichts.

Deine Selbstbeschreibung muss auf deiner Website, auf LinkedIn und in jedem Verzeichnis denselben Kern haben. Gleiche Leistungsbezeichnung, gleiche Zielgruppe, gleiches Gebiet, gleicher Name in gleicher Schreibweise.

Das klingt banal und wird fast überall verletzt. Auf der Website steht «Organisationsentwicklung», auf LinkedIn «Change-Begleitung», im Verzeichnis «Unternehmensberatung». Ein Mensch erkennt, dass alles dasselbe meint. Ein System sieht drei Beschreibungen, die sich nicht decken. Bei der nächsten Anbieterfrage bleibt es deshalb lieber bei jemandem, bei dem die Zuordnung eindeutig ist.

Dazu gehört die technische Verknüpfung in beide Richtungen: der Verweis von deinem Profil auf deine Website und die Angabe deines Profils im sameAs-Feld deiner strukturierten Daten. Damit sagst du ausdrücklich, dass beides zur selben Person gehört.

Was nichts bringt

Emoji-Girlanden in der Slogan-Zeile. Sie stören die Lesbarkeit für Maschinen und bringen bei Menschen längst keinen Aufmerksamkeitsvorteil mehr.

Die Formel «Ich helfe X, Y zu erreichen, ohne Z». Inzwischen steht sie in so vielen Profilen, dass sie nichts mehr unterscheidet. Wer austauschbar klingt, wird austauschbar behandelt.

Titelstapel ohne Beleg. Drei Bezeichnungen hintereinander, die alle dasselbe meinen, machen die Zuordnung schwächer statt stärker.

Tägliches Posten ohne Zusammenhang. Menge hilft hier so wenig wie beim Blog. Belegt ist der Zusammenhang mit Erwähnungen, nicht mit Beitragsfrequenz. Was stattdessen trägt, habe ich in Content-Strategie für introvertierte Selbstständige beschrieben.

In dreissig Minuten erledigt

  1. Slogan-Zeile auf Leistung, Zielgruppe und Gebiet umstellen.
  2. Die ersten drei Zeilen des Info-Abschnitts neu schreiben, mit denselben Begriffen wie auf deiner Website.
  3. Kompetenzen auf zehn eindeutige Begriffe eindampfen.
  4. Zwei Personen um eine Empfehlung bitten, mit Stichworten zum Projekt.
  5. Website im Profil verlinken und das Profil im sameAs-Feld deiner Website ergänzen.
  6. Berufserfahrung durchgehen und jeden leeren Eintrag mit zwei Sätzen füllen.

Beiträge und Kommentare: was davon zählt

Deine Beiträge auf LinkedIn sind für Systeme schwerer greifbar als dein Profil, weil sie im Strom verschwinden und selten ausserhalb der Plattform zitiert werden. Zwei Ausnahmen sind es wert, beachtet zu werden.

Erstens die Beiträge, die anderswo aufgegriffen werden. Zitiert dich jemand in einem Newsletter, einem Fachartikel oder einem Blogbeitrag und verweist dabei auf deinen Gedanken, entsteht eine Erwähnung auf einer Seite, die frei zugänglich ist. Das ist der Weg, auf dem ein Beitrag über die Plattform hinaus wirkt.

Zweitens deine Kommentare unter fremden Beiträgen mit Reichweite. Sie tragen deine Slogan-Zeile mit sich und bringen dich vor Menschen, die dich sonst nie sehen würden. Der Effekt liegt bei den Menschen, nicht bei den Maschinen und er ist trotzdem beträchtlich.

Daraus folgt eine unbequeme Einsicht für alle, die täglich posten: Die Mühe zahlt sich menschlich aus, maschinell erst dann, wenn daraus etwas ausserhalb der Plattform entsteht. Ein Fachbeitrag auf einer fremden Seite wiegt für deine Auffindbarkeit mehr als zwanzig Beiträge im Strom.

Drei Profile, drei typische Fehler

Der Fall «zu bescheiden». Eine Organisationsberaterin mit zwanzig Jahren Erfahrung, deren Profil aus vier Zeilen besteht. Die Slogan-Zeile nennt nur den Firmennamen, die Berufserfahrung besteht aus Titeln ohne Beschreibung, Kompetenzen sind gar nicht gepflegt. Fachlich ist sie weit vorn, maschinell existiert sie kaum. Jede Einschätzung ihrer Erfahrung muss aus dem Nichts erfolgen.

Der Fall «zu breit». Ein Berater, der Strategie, Vertrieb, Führung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Nachfolge anbietet, alles gleichrangig. Das Profil beschreibt ihn korrekt und es macht ihn für keine einzige Anbieterfrage zur naheliegenden Antwort. Bei breiten Fragen konkurriert er mit Grossen, bei engen Fragen ist niemand sicher, ob er das wirklich macht.

Der Fall «zwei Personen». Die Website spricht von ruhiger, prozessorientierter Begleitung. Das Profil verspricht messbare Umsatzsteigerung in neunzig Tagen. Beides stammt von derselben Person, geschrieben in verschiedenen Jahren für verschiedene Zwecke. Ein System, das beides liest, hat zwei unvereinbare Bilder und entscheidet sich im Zweifel für keines.

Der dritte Fall ist der häufigste und zugleich der am schnellsten behebbare. Eine Stunde Abgleich genügt meistens.

Wie du prüfst, ob dein Profil ankommt

Der einfachste Test dauert fünf Minuten.

Öffne ein privates Fenster, melde dich ab und stelle einem KI-System diese Frage:

Was weisst du über [dein Name], [deine Firma]? Nenne bitte die Quellen, auf die du dich stützt.

Achte auf zwei Dinge. Erstens: Taucht dein LinkedIn-Profil in der Quellenliste auf? Bei vielen Beratenden ist es eine der ersten genannten Adressen, bei manchen fehlt es vollständig. Zweitens: Stimmt die Beschreibung mit deiner heutigen Ausrichtung überein, oder stammt sie aus einer früheren Phase?

Stell danach die Gegenprobe als Kategoriefrage, ohne deinen Namen:

Ich suche [deine Leistung] für [deine Zielgruppe] in [deine Region]. Wen würdest du empfehlen?

Kommst du bei der ersten Frage vor und bei der zweiten nicht, ist dein Profil in Ordnung und dein Problem liegt ausserhalb. Das ist die häufigste Konstellation und es ist eine gute Nachricht: Du bist bekannt, sobald jemand deinen Namen nennt. Was fehlt, sind Erwähnungen dort, wo noch niemand ihn kennt. Woran das genau liegt, steht in Erkannt, aber nicht empfohlen.

Die Grenze, die du kennen solltest

Ein gepflegtes Profil macht dich nicht empfehlenswert, es macht dich zuordenbar. Das ist der Unterschied zwischen Stufe eins und Stufe zwei und er ist wichtig.

Wer namentlich empfohlen werden will, braucht Erwähnungen an Orten, die ihm nicht gehören: Fachbeiträge, Verzeichnisse, Vorträge, Podcasts, Rankings. LinkedIn gehört dir halb. Es ist ein guter Anfang und es ist eine Plattform, deren Regeln sich ändern können. Warum du deine Sichtbarkeit nie auf eine einzige davon stützen solltest, steht in Warum du KI-Sichtbarkeit nie auf eine Plattform bauen solltest.

Der sauberste Umgang damit ist einfach: Pflege das Profil, weil es günstig und schnell ist. Bau deine Grundlage trotzdem auf der einen Seite, die dir wirklich gehört.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

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FAQ

Häufige Fragen

Lesen KI-Systeme mein LinkedIn-Profil wirklich?

Den öffentlich sichtbaren Teil ja, allerdings unzuverlässiger als deine Website. LinkedIn schränkt den automatisierten Zugriff stark ein. Was durchkommt, sind meist die Angaben aus dem öffentlichen Profil sowie das, was andere Seiten über dich und deinen Auftritt dort schreiben.

Was gehört in die Slogan-Zeile?

Leistung, Zielgruppe und Ort in klaren Worten. «GEO und Copywriting für Beratende in der Schweiz» ist auswertbar. «Ich mache dich unsichtbar sichtbar» ist es nicht, so hübsch der Satz auch klingt.

Soll ich meine Website im Profil verlinken?

Ja, und zwar in beide Richtungen. Der Verweis im Profil und die Angabe deines Profils im sameAs-Feld deiner Website bilden zusammen die Verbindung, an der Systeme erkennen, dass dieselbe Person gemeint ist.

Reicht LinkedIn allein als Sichtbarkeit?

Nein. Ein einzelnes Profil ist eine einzelne Quelle, und Systeme setzen ihr Bild aus mehreren zusammen. LinkedIn ist der Ort, an dem Beratende ohnehin präsent sind, deshalb lohnt sich die Pflege. Als alleinige Grundlage ist es zu wenig.

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