Wikipedia-Eintrag erstellen: Relevanzkriterien, Regeln und realistische Alternativen
Ob du einen Wikipedia-Eintrag erstellen kannst, hängt an den Relevanzkriterien und an klaren Regeln zu Interessenkonflikten. Hier liest du, was die deutschsprachige Wikipedia für Unternehmen und Personen verlangt, wann Wikidata passt und welche Schritte Coaches und Beratenden in Suche und KI-Antworten tatsächlich helfen.
Ein eigener Wikipedia-Eintrag wirkt wie eine offizielle Bestätigung, dass es dich gibt und dass du wichtig genug für eine Enzyklopädie bist. Seit ChatGPT, Perplexity und der KI-Modus von Google Fragen nach Anbietern beantworten, kommt ein zweiter Gedanke dazu: Vielleicht nennt mich eine KI eher, wenn ich in der Wikipedia stehe. Wer deshalb einen Wikipedia-Eintrag erstellen möchte, stösst schnell auf zwei Hürden, die Relevanzkriterien und die Regeln zu Interessenkonflikten. In diesem Beitrag zeige ich, was die deutschsprachige Wikipedia tatsächlich verlangt, warum die meisten Coaches, Berater/innen und Consulting-Firmen diese Hürden nicht nehmen und welche Wege für sie gangbar sind.
Kann ich einen Wikipedia-Eintrag über mich oder mein Unternehmen erstellen?
Grundsätzlich ist das möglich, allerdings nur, wenn das Thema die Relevanzkriterien der Wikipedia erfüllt und du die strengen Regeln zu Interessenkonflikten einhältst. Jede Person kann ein Benutzerkonto anlegen und einen Artikel schreiben. Ob er bleibt, entscheidet danach die Gemeinschaft der Autor/innen. Sie prüft zwei Fragen: Ist der Gegenstand enzyklopädisch relevant? Ist der Text neutral geschrieben und mit unabhängigen Quellen belegt?
Die Wikipedia versteht sich ausdrücklich nicht als allgemeines Verzeichnis von Personen, Organisationen oder Firmen. Ein Artikel beschreibt seinen Gegenstand aus der Distanz, mit allem, was unabhängige Quellen darüber berichten, auch mit Kritik. Was darin steht, bestimmen nach der Veröffentlichung alle, die mitschreiben.
Vor dem Schreiben lohnt sich der sogenannte Relevanzcheck, auf dem erfahrene Autor/innen vorab einschätzen, ob ein geplanter Artikel die Kriterien erfüllt.
Die Relevanzkriterien für Unternehmen und Personen
Die Relevanzkriterien sind eine umfangreiche Seite, auf der die deutschsprachige Wikipedia für jede Art von Gegenstand festhält, wann er einen eigenen Artikel bekommt (Wikipedia: Relevanzkriterien). Erfüllt ein Thema eines der Kriterien, gilt es als relevant. Erfüllt es keines, braucht es andere stichhaltige Argumente. In beiden Fällen muss der Artikel die Relevanz mit Quellen belegen.
Ein Wirtschaftsunternehmen gilt als relevant, wenn es mindestens eines dieser Kriterien heute oder in der Vergangenheit erfüllt:
- mindestens 1000 Vollzeitmitarbeitende
- ein Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro
- Handel an einer deutschen Börse im regulierten Markt, an der Wiener Börse im prime market oder standard market oder in einem gleichwertigen Segment anderer Staaten
- mindestens 20 Betriebsstätten wie Zweigniederlassungen, Filialen oder Produktionsstandorte, wobei das Gesamtunternehmen zusätzlich einer grossen Kapitalgesellschaft entsprechen muss
- eine marktbeherrschende Stellung oder eine innovative Vorreiterrolle bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung, belegt durch eine unabhängige Quelle
Angaben zu Mitarbeitenden und Umsatz sind über öffentliche Register oder vergleichbare Publikationen zu belegen.
Für lebende Personen nennt die Seite als wichtigen Anhaltspunkt einen Eintrag in einem anerkannten biographischen Nachschlagewerk wie dem Munzinger-Archiv. Weitere Anhaltspunkte sind etwa die Beteiligung an nachrichtenwürdigen Ereignissen, ein hoher Orden wie das Bundesverdienstkreuz oder ein Werk, das als herausragend anerkannt ist und dauerhaft zur Geschichte seines Fachgebiets gehört. Eine eigene Rubrik für Coaches, Berater/innen oder Unternehmer/innen enthält die Seite nicht.
Für viele Beratende ist der Abschnitt über Autor/innen besonders greifbar. Relevant ist demnach, wer als Hauptautor/in mindestens vier nicht-belletristische Monografien, also etwa Sachbücher, bei einem regulären Verlag veröffentlicht hat. Bücher aus dem Selbstverlag oder einem Druckkostenzuschussverlag zählen nur ausnahmsweise mit, etwa wenn renommierte überregionale Zeitungen sie besprochen haben.
Warum die meisten Beratenden die Kriterien nicht erfüllen und das kein Makel ist
Eine Beratungsfirma mit zwölf Mitarbeitenden, eine Coachin mit zwanzig Jahren Erfahrung oder ein Berater mit einem Sachbuch im Selbstverlag erfüllen diese Kriterien in aller Regel nicht. Über die Qualität ihrer Arbeit sagt das wenig aus. Die Kriterien messen enzyklopädische Bedeutung, also die Frage, ob ein Thema auch in vielen Jahren noch nachgeschlagen wird. Wie gut jemand ein Führungsteam durch eine Fusion begleitet, gehört zu einer anderen Kategorie von Fragen.
Die Wikipedia selbst begegnet dem Thema mit einem Augenzwinkern. Neben dem Abschnitt über Personen zeigt die Seite ein Kaninchen beim Sprung über eine Hürde, versehen mit dem Hinweis, diese Relevanzhürde sei für über 99 Prozent der Bevölkerung unüberwindbar. Wer keinen Artikel hat, befindet sich in breiter Gesellschaft.
Für deine Kund/innen spielt ein Wikipedia-Artikel bei der Entscheidung meist eine Nebenrolle. Eine Personalleiterin, die eine Organisationsberatung sucht, schaut sich Website, Referenzen, Bewertungen und LinkedIn-Profile an. Dort lohnt sich deine Energie.
Wikipedia-Eintrag erstellen lassen: was bezahltes Schreiben bedeutet
Wer einen Wikipedia-Eintrag gegen Honorar erstellen lassen möchte, sollte die Regeln kennen. Die Wikipedia rät generell davon ab, Artikel im Interessenkonflikt anzulegen oder zu bearbeiten (Wikipedia: Interessenkonflikt). Ein Interessenkonflikt liegt vor, wenn jemand über sich selbst, das eigene Unternehmen, Verwandte, Freund/innen oder Auftraggeber schreibt. Empfohlen wird, Verbesserungen auf der Diskussionsseite eines Artikels vorzuschlagen und die Umsetzung unabhängigen Autor/innen zu überlassen.
Für bezahltes Schreiben gilt eine Offenlegungspflicht, die auch in den Nutzungsbedingungen der Wikimedia Foundation verankert ist. Wer für Beiträge eine Vergütung erhält oder erwartet, muss Arbeitgeber, Auftraggeber und Zugehörigkeit angeben. Das geschieht auf der Benutzerseite, auf der Diskussionsseite des Artikels oder in der Zusammenfassung der jeweiligen Bearbeitung. Gewerbliche Mitarbeit wird laut der Seite zum Interessenkonflikt sehr kritisch gesehen und nur unter engen Auflagen geduldet. Konten mit gewerblichem Hintergrund sollen zudem verifiziert werden.
Wer verdeckt schreibt, riskiert die Sperre des Kontos sowie die Überarbeitung oder Löschung des Artikels. Die Seite weist ausserdem auf das Wettbewerbsrecht hin: Verdeckte Eigenwerbung kann als Schleichwerbung gelten, auch wenn die Änderung sachlich richtig ist. Sie nennt dafür das deutsche Recht und vergleichbare Vorschriften in Österreich und der Schweiz.
Einen Wikipedia-Artikel kann dir niemand seriös zusichern, auch ich nicht. Über Aufnahme und Inhalt entscheidet die Gemeinschaft der Autor/innen nach ihren Regeln.
Was bei einer Löschdiskussion passiert
Erfüllt ein neuer Artikel die Kriterien nicht oder liest er sich wie Werbung, stellt oft bald jemand einen Löschantrag. Laut den Löschregeln der Wikipedia sind für die Diskussion sieben Tage angesetzt. In dieser Zeit tragen Autor/innen Argumente zusammen, ob der Gegenstand relevant ist und ob der Text den Ansprüchen genügt. Am Ende entscheidet eine Administratorin oder ein Administrator anhand der Argumente und Richtlinien. Löschdiskussionen sind ausdrücklich keine Abstimmungen. Eindeutige Fälle können über einen Schnelllöschantrag auch sofort entfernt werden.
Die Diskussion findet öffentlich statt, mit Einschätzungen zur eigenen Bedeutung, die Betroffene selten gern lesen. Wer die Entscheidung für falsch hält, spricht zuerst die zuständige Person an und kann danach eine Löschprüfung beantragen. Eine Neuanlage kommt nur in Frage, wenn die Löschung wegen Mängeln im Text erfolgte. War die fehlende Relevanz der Grund, bleibt der Weg verschlossen, bis sich an der Relevanz etwas ändert. Kaum veränderte Neuanlagen gelten als Wiedergänger und werden wieder gelöscht.
Aus Sicht der Reputation wiegt ein gelöschter Artikel deshalb schwerer als gar keiner. Wie hartnäckig alte Spuren im Netz in KI-Antworten nachwirken können, beschreibe ich in Wenn die KI Veraltetes über dich erzählt.
Wikidata: das Datenobjekt als realistischere Alternative
Wikidata ist die freie Wissensdatenbank der Wikimedia-Projekte. Jedes Datenobjekt besteht aus einzelnen Aussagen wie Name, Gründungsdatum, Sitz, offizielle Website oder LinkedIn-Profil, idealerweise jeweils mit einer Quelle belegt. Laut den Notability-Regeln von Wikidata ist ein Objekt zulässig, wenn es mindestens eines von drei Kriterien erfüllt. Entweder hat es einen gültigen Link auf eine Seite in einem Wikimedia-Projekt wie der Wikipedia oder Wikimedia Commons. Oder es beschreibt eine klar identifizierbare Entität, die sich mit seriösen und öffentlich zugänglichen Quellen belegen lässt. Oder es erfüllt einen strukturellen Zweck, etwa weil andere Objekte darauf verweisen.
Für Beratende ist das zweite Kriterium entscheidend. Gemeint sind Quellen ausserhalb der eigenen Kanäle, etwa Berichte in Fachmedien, Interviews in Zeitungen oder Publikationen von Verbänden. Ob das im Einzelfall reicht, beurteilen die Freiwilligen, die Wikidata pflegen. Objekte ohne ausreichende Belege können wieder gelöscht werden.
Auch Wikidata kennt eine Regel für Einträge über sich selbst. Die Seite zu Autobiografien hält fest, dass du kein Objekt über dich anlegen solltest, solange du nicht sicher bist, dass es die Kriterien erfüllt. Ein bestehendes Objekt über dich darfst du bearbeiten. Aussagen über Laufbahn und Erfolge brauchen dabei eine zuverlässige, überprüfbare Quelle, während die eigene Website als Beleg für Angaben über dich selbst dienen kann. Bezahlte Bearbeitungen sind auch hier offenzulegen.
Realistischer heisst also: erreichbar für Beratende, über die unabhängige Medien bereits berichtet haben.
Wikipedia, Wikidata und KI-Antworten
Bei Google erscheinen Auszüge aus Wikipedia-Artikeln häufig in Knowledge Panels, den Infokästen neben den Suchergebnissen. Google selbst schreibt allgemein, die Informationen in Knowledge Panels stammten aus verschiedenen Quellen im Web, ergänzt durch Daten von Partnern und Vorschläge von Personen oder Organisationen, die ihre Identität bestätigt haben.
Bei Sprachmodellen ist die Lage ähnlich unscharf. Mehrere Entwickler haben Wikipedia in technischen Berichten als Teil ihrer Trainingsdaten genannt. Antwortmaschinen wie Perplexity zeigen Wikipedia-Artikel bei Wissensfragen zudem oft als Quelle an. Wie stark ein einzelner Artikel beeinflusst, ob eine KI einen Anbieter empfiehlt, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Für Beratende zählt deshalb eine andere Beobachtung. Bei Fragen wie «Welche Organisationsberatung in Zürich begleitet Familienunternehmen?» stützen sich KI-Systeme auf Websites, Verzeichnisse, Bewertungsplattformen und Fachartikel. Welche Quellen das konkret sind, habe ich in Die Verzeichnisse und Rankings, die bei Anbieterfragen zitiert werden zusammengetragen. Ein Wikipedia-Artikel spielt bei solchen Fragen meist keine Rolle, weil nur wenige Beratungen einen haben. Ich prüfe meine eigene KI-Sichtbarkeit jeden Monat mit denselben Fragen in ChatGPT, Perplexity und im KI-Modus von Google.
Was für die meisten Coaches und Beratenden wirkt
Was Wikipedia und Wikidata für bekannte Unternehmen leisten, lässt sich im Kern mit eigenen Mitteln nachbauen: eindeutige, überall gleiche Angaben, die aufeinander verweisen. Je einheitlicher diese Quellen sind, desto leichter erkennen Suchmaschinen und KI-Systeme, dass die Coachin auf LinkedIn, der Eintrag im Verzeichnis und die Website zur selben Person gehören.
Ich gehe dabei in vier Schritten vor:
- Stammdaten festlegen. Name, Firmenbezeichnung, Berufsbezeichnung, Einzugsgebiet und eine Beschreibung in zwei Sätzen. Diese Angaben verwendest du überall wörtlich.
- Website als Referenz. Die Über-mich-Seite oder die Teamseite enthält diese Angaben vollständig, ergänzt um Ausbildung, Mitgliedschaften und Veröffentlichungen mit Links.
- Profile angleichen. LinkedIn, Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnisse und Verbandsprofile bekommen dieselben Stammdaten. Wie Bewertungen und Erwähnungen dieses Bild verstärken, beschreibe ich in Zitiert, empfohlen, gefunden.
- Strukturierte Daten verknüpfen. Auf der Website beschreibt ein Markup vom Typ Organization oder Person dich maschinenlesbar. Das Feld
sameAslistet die Adressen deiner Profile auf. Falls ein Wikidata-Objekt über dich besteht, gehört seine Adresse ebenfalls in diese Liste.
Für eine Coachin könnte das vereinfacht so aussehen:
{
"@context": "https://schema.org",
"@type": "Person",
"name": "Andrea Beispiel",
"jobTitle": "Coachin für Führungskräfte",
"url": "https://www.beispiel-coaching.ch/",
"sameAs": [
"https://www.linkedin.com/in/andrea-beispiel/",
"https://www.provenexpert.com/andrea-beispiel/"
]
}
Welche Typen für Beratende zählen und was in jeden gehört, steht in Strukturierte Daten für Beratende. Die Grundlagen zu Schema.org und JSON-LD findest du in Strukturierte Daten nach Schema.org.
Die Wege im Vergleich
| Weg | Voraussetzung | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Wikipedia-Artikel | Relevanzkriterien erfüllt, unabhängige Quellen, Offenlegung bei Interessenkonflikt | hoch, Ergebnis offen | sichtbar in Suche und Knowledge Panel, Inhalt durch die Gemeinschaft bestimmt |
| Wikidata-Datenobjekt | klar identifizierbar, seriöse öffentliche Quellen | mittel, einige Stunden mit Belegen | maschinenlesbare Verknüpfung, Einfluss auf KI-Antworten nicht belegt |
Strukturierte Daten mit sameAs |
Zugriff auf die eigene Website | einmalig wenige Stunden | eindeutige Zuordnung von Website und Profilen |
| Einheitliche Verzeichnisprofile | festgelegte Stammdaten | einige Stunden, danach Pflege | Präsenz in Quellen, die KI-Systeme bei Anbieterfragen heranziehen |
| LinkedIn-Profil und Unternehmensseite | gepflegtes Profil mit Fachgebiet | gering, laufend | Bestätigung von Person und Thema |
| Erwähnungen in Fachmedien | Fachwissen und Themenvorschläge an Redaktionen | mittel bis hoch, laufend | unabhängige Belege, später auch für Wikidata nutzbar |
Die unteren vier Wege stehen allen offen. Erwähnungen in Fachmedien schaffen zudem die unabhängigen Quellen, die Wikidata verlangt.
Bei Copywriting Kurz begleite ich Coaches, Berater/innen und Consulting-Firmen in der Schweiz und im DACH-Raum dabei, diese Grundlagen sorgfältig aufzubauen. Im Kickoff-Gespräch mit rund 20 Fragen kläre ich unter anderem, welche Profile bereits bestehen und wo sich Angaben widersprechen. Danach gleiche ich Website, Verzeichnisse und strukturierte Daten an, als Teil der GEO- und SEO-Betreuung. Wenn du zuerst sehen möchtest, wie KI-Systeme dich heute beschreiben, zeigt dir der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check einen ersten Stand.
