KI-Verkehr in deiner Statistik: klein, versteckt und wertvoller als er aussieht
«Aus ChatGPT kommt bei uns niemand» stimmt fast nie. Die Besuche sind da, sie stehen nur unter Direktzugriff. Wie du sie sichtbar machst, warum sie überdurchschnittlich oft zu Anfragen führen und welche zweite Zahl du davon strikt trennen musst.
«Aus diesen KI-Systemen kommt bei uns niemand.» Diesen Satz höre ich oft und in den meisten Fällen stimmt er nicht. Die Besuche sind vorhanden, sie stehen nur an einer Stelle, an der niemand nachschaut.
Das ist mehr als ein Schönheitsfehler in der Statistik. Wer diesen Verkehr nicht getrennt auswertet, übersieht ausgerechnet die Besuche mit der höchsten Abschlussneigung.
Warum der Verkehr verschwindet
Klickt jemand in einem Suchergebnis auf deine Seite, übergibt der Browser die Herkunft mit. Deine Statistik ordnet den Besuch der Suchmaschine zu.
Bei Antworten aus KI-Systemen passiert das unzuverlässig. Manche Verweise übergeben eine Herkunft, manche nicht und bei Anwendungen auf dem Telefon oder auf dem Rechner fehlt sie häufig ganz. Was ohne Herkunft ankommt, landet im Sammelbecken «Direkt». Dort steht es neben den Lesezeichen, den abgetippten Adressen und den Klicks aus Chatprogrammen.
Ein zweiter Grund kommt dazu: Viele Menschen klicken gar nicht. Sie lesen die Antwort, merken sich den Namen und suchen später direkt danach. Dieser Besuch erscheint als Markensuche und hat mit der KI-Antwort nichts Erkennbares mehr zu tun, obwohl sie ihn ausgelöst hat.
Wer also die Wirkung von KI-Antworten am Verkehr misst, misst systematisch zu wenig. Das gilt in beide Richtungen und ist der Grund, warum du die Messung an zwei Orten brauchst.
So machst du die Besuche sichtbar
Der erste Schritt ist einfach. Schau in deiner Statistik unter den Verweisen nach den Domains der Anbieter. Diese vier decken den grössten Teil ab:
chatgpt.comperplexity.aicopilot.microsoft.comgemini.google.com
Dazu kommen kleinere und ständig wechselnde. Die Liste gehört einmal im Quartal überprüft, weil Anbieter ihre Adressen ändern.
Der zweite Schritt ist die eigene Gruppe. In GA4 legst du dafür eine Zielgruppe oder einen Vergleich an, der alle diese Quellen zusammenfasst. Ein Hinweis aus der Praxis, der viel Ärger spart: GA4 prüft bei regulären Ausdrücken den vollständigen Abgleich. Ein Muster wie chatgpt findet nichts, .*chatgpt.* dagegen schon. An dieser Stelle scheitern die meisten Einrichtungsversuche.
Wer Matomo oder Plausible nutzt, hat es einfacher, weil dort Verweisgruppen direkt gebildet werden können.
Der dritte Schritt ist der wichtigste und wird fast immer ausgelassen: Verbinde diese Gruppe mit deinen Zielen. Also mit ausgefüllten Formularen, Terminbuchungen oder Anmeldungen. Die reine Besuchszahl sagt bei diesen Grössenordnungen wenig.
Woran du KI-Verkehr auch ohne Herkunftsangabe erkennst
Ein Teil der Besuche bleibt im Direktzugriff. Ganz hilflos bist du deswegen nicht, weil solche Besuche ein auffälliges Muster haben.
Sie landen auf tiefen Seiten. Wer eine Adresse abtippt, landet auf der Startseite. Wer aus einer Antwort kommt, landet auf einer Unterseite, oft auf einer Leistungs- oder Fachseite. Ein Anstieg von Direktzugriffen auf tief liegende Seiten ist eines der deutlichsten Zeichen.
Sie kommen einzeln und unregelmässig. Kein Ausschlag nach einem Versand, kein Muster wie bei sozialen Netzwerken. Eher ein stetiges Tröpfeln über den Tag.
Sie verweilen länger. Diese Besuche lesen. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei den meisten Seiten, die ich betreue, spürbar über dem Schnitt.
Sie bringen neue Suchbegriffe. In der Search Console tauchen nach einiger Zeit Markensuchen auf, die es vorher nicht gab, manchmal in ungewöhnlichen Schreibweisen. Das sind Menschen, die den Namen aus einer Antwort mitgenommen und später gesucht haben.
Keines dieser Zeichen ist für sich beweiskräftig. Zusammen ergeben sie ein brauchbares Bild, gerade in den Monaten, in denen die Zahlen noch zu klein für Auswertungen sind.
Die Grössenordnung, die dich nicht erschrecken sollte
Ahrefs hat für die eigene Seite offengelegt, dass Verkehr aus KI-Systemen 0,5 Prozent aller Besuche ausmachte und gleichzeitig 12,1 Prozent aller Anmeldungen. Das ist ein Verhältnis von etwa vierundzwanzig zu eins gegenüber dem Durchschnitt.
Diese Zahlen stammen aus einem einzelnen Unternehmen mit Fachpublikum und lassen sich nicht auf deine Branche hochrechnen. Als Grössenordnung sind sie trotzdem nützlich und sie decken sich mit dem, was ich bei Kundschaft sehe: wenig Menge, auffällig hohe Qualität.
Die Erklärung liegt nahe. Wer über eine KI-Antwort zu dir kommt, hat sein Problem bereits in mehreren Sätzen beschrieben, hat eine Empfehlung erhalten und klickt bewusst auf einen einzelnen Namen. Das ist ein anderer Zustand als der eines Menschen, der sich durch zehn Suchergebnisse arbeitet.
Praktisch heisst das: Beurteile diesen Kanal niemals nach Besuchszahlen. Zwanzig Besuche im Monat, aus denen zwei Anfragen entstehen, sind wertvoller als zweitausend Besuche aus einem Beitrag, der niemanden zum Handeln bringt.
Die zweite Zahl, die niemand anschaut
Hier liegt der Kern und es ist der Punkt, an dem die meisten Auswertungen aneinander vorbeireden.
Zahl eins: Wie oft dient deine Seite als Quelle. Das steht in den Serverlogs, nicht in der Besucherstatistik. Dort tauchen die Crawler der Anbieter auf, unter anderem GPTBot und OAI-SearchBot von OpenAI, PerplexityBot, ClaudeBot sowie Google-Extended. Jeder Zugriff bedeutet, dass ein System deine Inhalte gelesen hat. Welcher Bot wofür zuständig ist und welche du hereinlassen solltest, steht in Welche KI-Bots deine Seite besuchen.
Zahl zwei: Wie oft dein Name in einer Antwort fällt. Das steht in keinem Protokoll. Es lässt sich nur durch regelmässiges Fragen ermitteln, immer mit denselben Formulierungen. Ein Vorgehen dafür steht in Zehn Fragen, mit denen du deine KI-Sichtbarkeit selbst prüfst.
Diese beiden Zahlen werden fast überall als eine behandelt und genau das führt in die Irre. Es ist der Normalfall, dass ein System deine Inhalte regelmässig liest und deinen Namen nie nennt. Das Phänomen hat einen Namen und ist gemessen, ich habe es in Ghost Citations beschrieben.
Die Ableitung daraus ist einfach: Steigt Zahl eins und Zahl zwei bleibt flach, arbeitest du an der falschen Stufe. Du lieferst Wissen und bleibst als Anbieter unsichtbar.
Serverlogs: der Zugang, den die wenigsten haben
Die Crawler-Zugriffe sind die verlässlichste Zahl in diesem ganzen Feld, weil sie nichts schätzen. Sie stehen im Protokoll deines Servers, Zeile für Zeile, mit Datum, Adresse und Kennung des Zugreifenden.
Das Problem ist der Zugang. Wer bei einem einfachen Anbieter hostet, kommt oft nicht an diese Dateien heran. Drei Wege helfen.
Über die Verwaltungsoberfläche. Viele Anbieter stellen Protokolle zum Herunterladen bereit, häufig unter Statistik oder Protokolle versteckt. Eine Anfrage beim Support lohnt sich, die Dateien existieren praktisch immer.
Über den Dienst davor. Wer Cloudflare oder einen ähnlichen Dienst nutzt, bekommt dort Auswertungen über Bots, teilweise sogar nach Anbieter getrennt.
Über die Search Console. Sie zeigt unter den Crawling-Statistiken nur den Google-Crawler. Für Google-Extended, das für die KI-Antworten relevant ist, hilft sie nicht weiter. Für den Anfang ist sie trotzdem ein Anhaltspunkt.
Hast du die Dateien, brauchst du keine Auswertungssoftware. Es genügt, einmal im Monat die bekannten Kennungen zu zählen und die Zahl in deine Tabelle einzutragen. Die absolute Höhe ist dabei weniger interessant als die Richtung über mehrere Monate.
Was du aus den Zahlen tatsächlich ableiten kannst
Viele Crawler-Zugriffe, kaum Besuche, keine Nennungen. Deine Inhalte sind brauchbar, dein Name ist nicht Teil der Antwort. Der Hebel liegt bei Angebotsseiten und bei Erwähnungen ausserhalb deiner Seite.
Wenige Crawler-Zugriffe. Etwas verhindert den Zugriff. Prüfe robots.txt, Sperren beim Anbieter und ob deine Seite ohne Skripte überhaupt lesbar ist.
Besuche ohne Anfragen. Die Menschen kommen an und finden nicht, was die Antwort versprochen hat. Meistens liegt das an der Landeseite, nicht an der Sichtbarkeit.
Besuche mit überdurchschnittlichen Anfragen. Der Normalfall bei gut beschriebenen Angeboten. Dann lohnt es sich, genau die Seiten zu stärken, auf denen diese Besuche ankommen.
Was ich in meiner eigenen Auswertung sehe
Ich messe das für mein Unternehmen seit einem Jahr und trage beide Zahlen monatlich ein. Drei Beobachtungen, die sich stabil wiederholen.
Erstens sind die Crawler-Zugriffe um ein Vielfaches höher als die Besuche. Meine Inhalte werden also regelmässig gelesen, ohne dass daraus ein Klick wird. Das ist unangenehm und es ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Zweitens kommen die wenigen Besuche fast immer auf Fachbeiträgen an, kaum je auf der Startseite. Wer über eine Antwort kommt, sucht eine bestimmte Auskunft, nicht ein Unternehmen.
Drittens folgen Anfragen aus diesem Kanal einem anderen Ablauf. Sie kommen selten sofort. Häufig liegen mehrere Wochen und mehrere Besuche dazwischen, bevor jemand schreibt. Im Erstgespräch fällt dann der Satz, dass man mich «über ChatGPT gefunden» habe. In der Statistik steht dieser Weg nirgends vollständig.
Genau deshalb halte ich wenig davon, diesen Kanal an einer einzigen Kennzahl zu beurteilen. Was zählt, ist die Richtung über Quartale und die Frage, ob aus Leserschaft Nennung wird.
Die Grenzen dieser Messung
Drei Einschränkungen gehören dazu, weil sonst falsche Schlüsse entstehen.
Die Zahlen sind klein. Bei zwanzig oder dreissig Besuchen im Monat ist jede Schwankung von fünf Besuchen prozentual dramatisch und inhaltlich bedeutungslos. Vergleiche deshalb Quartale statt Wochen.
Ein Teil bleibt unsichtbar. Alles, was ohne Herkunft ankommt oder später als Markensuche zurückkehrt, kannst du nicht zuordnen. Ein steigender Anteil an Markensuchen ist dabei selbst ein brauchbares Zeichen, wie in Traffic-Verlust durch KI-Antworten in der Search Console messen beschrieben.
Die Anbieter ändern ihr Verhalten. Domains wechseln, Verweise werden anders gesetzt, neue Systeme kommen dazu. Eine Auswertung, die vor einem Jahr eingerichtet wurde und seither nicht angefasst wurde, misst heute etwas anderes als damals.
Eine halbe Stunde, einmal eingerichtet
- Verweisquellen der vier bekannten Anbieter in deiner Statistik zusammenfassen.
- Diese Gruppe mit deinen Zielen verbinden, also mit Formular, Termin oder Anmeldung.
- Zugriff auf die Serverlogs klären und die Crawler-Zugriffe monatlich notieren.
- Zehn feste Fragen aufschreiben und monatlich abgemeldet stellen.
- Beide Zahlen in dieselbe Tabelle eintragen, mit Datum.
Nach drei Monaten hast du etwas, das die meisten in diesem Feld nicht haben: zwei getrennte Linien statt einer Vermutung. Am Verlauf erkennst du ausserdem, ob deine Arbeit an der Stelle ansetzt, an der es hakt.
