E-E-A-T für Beratende: wie du Erfahrung belegbar machst
Erfahrung, Fachkunde, Autorität und Vertrauen sind kein Schalter im Quelltext. Sie sind eine Beweisfrage. Was hinter den vier Buchstaben steckt, warum das erste E für Beratende das wichtigste ist und woran Prüfende wie Maschinen echte Erfahrung erkennen.
Kaum ein Kürzel wird so oft genannt und so selten erklärt. E-E-A-T steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trust, also Erfahrung, Fachkunde, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Es stammt aus den Richtlinien, nach denen Google seine Qualitätsbewertenden arbeiten lässt.
Damit ist die erste Klarstellung fällig. Es gibt keinen E-E-A-T-Wert in deinem Quelltext, kein Feld und keine Kennzahl. Wer dir anbietet, deinen E-E-A-T-Wert zu erhöhen, verkauft etwas, das es so nicht gibt. Was es gibt, ist ein Raster, nach dem Menschen Seiten beurteilen und diese Urteile fliessen in die Weiterentwicklung der Systeme ein.
Für Beratende ist das Raster trotzdem der nützlichste Denkrahmen, den ich kenne. Es zwingt zu der Frage, die sonst gern ausgelassen wird: Woran soll jemand erkennen, dass du weisst, wovon du sprichst?
Vertrauen ist das Zentrum, der Rest zahlt darauf ein
In Googles eigener Darstellung stehen die vier Begriffe nicht nebeneinander. Vertrauen liegt in der Mitte, die anderen drei sind Wege dorthin. Eine Seite kann fachlich brillant sein und trotzdem durchfallen, wenn unklar bleibt, wer dahintersteht und wie man diese Person erreicht.
Das erklärt, warum so viele handwerklich gute Websites schwach abschneiden. Nicht die Texte sind das Problem, sondern die fehlende Zuordnung.
Woher das Raster kommt
Google beschäftigt seit Jahren Menschen, die Suchergebnisse beurteilen. Sie verändern damit keine einzelne Position, sie liefern Material für die Frage, ob eine Änderung am System die Qualität verbessert hat. Die Anleitung dafür ist öffentlich und umfasst über hundert Seiten.
Zwei Begriffe daraus lohnen sich für Beratende.
YMYL steht für «Your Money or Your Life» und bezeichnet Themen, bei denen schlechte Auskünfte Menschen schaden können: Gesundheit, Finanzen, Recht, Sicherheit. Für solche Seiten gelten strengere Massstäbe.
Beratung ist ein Grenzfall. Ein Beitrag über Meditation ist harmlos. Ein Beitrag darüber, wie jemand seine Altersvorsorge strukturiert oder eine Kündigung ausspricht, ist es nicht. Wer in solchen Bereichen schreibt, braucht die Belege dringender als alle anderen.
Page Quality ist das Gesamturteil über eine Seite. Die niedrigste Stufe bekommen Seiten, bei denen unklar bleibt, wer dahintersteht. Das ist keine Nebenbedingung, das ist ein Ausschlusskriterium. Eine anonyme Seite kann inhaltlich hervorragend sein und trotzdem schlecht bewertet werden.
Für dich heisst das: Bevor du am Text feilst, sorge dafür, dass jede Seite eindeutig einer Person und einem Unternehmen zuzuordnen ist.
Das erste E ist für Beratung das wichtigste
Experience wurde 2022 ergänzt und diese Ergänzung war kein Schönheitsfehler. Sie unterscheidet zwei Arten von Wissen.
Fachkunde bedeutet, dass du ein Thema korrekt darstellen kannst. Erfahrung bedeutet, dass du es selbst gemacht hast, mit allem, was dabei schiefgehen kann.
Für Beratung liegt hier der ganze Unterschied. Über Organisationsentwicklung korrekt zu schreiben, können viele. Beschreiben zu können, was in der dritten Sitzung passiert, wenn der Widerstand sichtbar wird, können nur die, die dort waren. Systeme wie Menschen erkennen diesen Unterschied an denselben Merkmalen: an Konkretheit, an Zahlen, an genannten Grenzen.
Woran echte Erfahrung erkennbar wird
An Zahlen aus der eigenen Arbeit. «Ich sehe das häufig» ist eine Behauptung. «In vierzig Prüfungen zwischen Januar und August fehlte bei neun von zehn Seiten die Angabe des Einzugsgebiets» ist ein Beleg. Die zweite Form braucht keinen einzigen Kundennamen und ist trotzdem überprüfbar formuliert.
An Zeiträumen. Wie lange machst du das, seit wann, in welchem Umfang. Ein Datum ist ein Beleg, ein Gefühl nicht.
An Details, die man sich nicht ausdenkt. Die Ausnahme, die dir begegnet ist. Der Fall, der anders lief. Das Werkzeug, das in der Praxis versagt hat.
An genannten Grenzen. Wer schreibt, wofür sein Vorgehen nicht taugt, wirkt glaubwürdiger als wer nur Erfolge aufzählt. Das ist keine Bescheidenheitsübung, sondern ein Merkmal, das im Bewertungsraster ausdrücklich vorkommt.
An eigenen Fehlern. Ich habe llms.txt im Frühjahr als sinnvolle Geste eingeordnet. Nach Prüfung der Serverlogs und der Aussagen von Google war diese Einschätzung zu freundlich und ich habe sie in Was ist llms.txt korrigiert. Eine korrigierte Einschätzung ist ein stärkerer Beleg für Erfahrung als eine, die nie geprüft wurde.
Fachkunde sichtbar machen
Hier geht es um Nachweise, die jemand anders ausgestellt hat.
Ausbildungen, Zertifikate und Prüfnummern gehören prüfbar auf deine Seite. Eine Zertifikatsnummer mit der ausstellenden Stelle ist etwas anderes als ein Logo im Fussbereich. Technisch hinterlegst du das über hasCredential in den strukturierten Daten, wie in Strukturierte Daten für Beratende beschrieben.
Dazu gehört ein Autorenkasten unter jedem Fachbeitrag: Name, Funktion, ein Satz zur Erfahrung, Verweis auf die ausführliche Seite. Beiträge ohne erkennbare Autorenschaft sind im Bewertungsraster ein ausdrücklicher Schwachpunkt und in der Praxis sind sie das Häufigste, was ich sehe.
Autorität ist das, was andere über dich sagen
Von den vier Teilen ist Autorität der einzige, den du nicht selbst schreiben kannst. Sie entsteht aus Erwähnungen, Zitaten, Nennungen in Fachmedien, Vorträgen, Verzeichniseinträgen und Empfehlungen.
Das deckt sich mit dem, was bei KI-Antworten messbar ist. Eine Auswertung von Ahrefs über 75‘000 Marken zeigt Web-Erwähnungen als das am stärksten mit der Sichtbarkeit in KI-Übersichten zusammenhängende Signal, deutlich vor Backlinks. Wie du dort hinkommst, steht in Warum fremde Seiten über deine KI-Empfehlung mitentscheiden.
Der einfachste erste Schritt ist unspektakulär: ein Fachbeitrag in einem Medium, das deine Zielgruppe liest, auch ohne Verweis auf deine Seite. Die Nennung deines Namens ist der Punkt, nicht der Link.
Vertrauen entsteht aus Nachprüfbarkeit
Vier Dinge, die erstaunlich oft fehlen.
Ein vollständiges Impressum mit Rechtsform, Verantwortlichkeit und einer Erreichbarkeit, die funktioniert.
Preise oder wenigstens Preisrahmen. Wer sie verschweigt, erzeugt genau die Unsicherheit, die Vertrauen kostet. Die Begründung dazu steht in Warum deine Preise auf die Website gehören.
Echte Bewertungen von einer Plattform, die du nicht selbst kontrollierst, samt Anzahl und Zeitraum.
Aktualität. Ein Datum auf jedem Fachbeitrag, sichtbar und gepflegt. Ein Text ohne Datum wirkt bei allem, was mit Technik zu tun hat, sofort verdächtig.
Der Zusammenhang mit KI-Antworten
Zwischen dem Bewertungsraster und der Frage, ob du in einer KI-Antwort vorkommst, liegt keine direkte Leitung. Es gibt allerdings eine auffällige Überschneidung und sie hat einen einfachen Grund: Beide beantworten dieselbe Frage, nämlich ob eine Aussage zuzuordnen und belegt ist.
Drei Merkmale tauchen in beiden Zusammenhängen auf.
Eindeutige Urheberschaft. Eine Aussage, die einer benannten Person mit beschreibbarer Erfahrung zugeordnet ist, lässt sich als Beleg verwenden. Eine anonyme Aussage nicht.
Abgeschlossene Abschnitte. Ein Textstück, das eine Frage vollständig beantwortet, ist für ein Bewertungsurteil so brauchbar wie für den Zusammenbau einer Antwort.
Prüfbare Angaben. Zahlen mit Zeitraum und Herkunft, Zertifikate mit ausstellender Stelle, Preise mit Währung. Alles, was sich gegenprüfen lässt, senkt das Risiko, das ein System mit deiner Nennung eingeht.
Umgekehrt gilt dasselbe. Was Prüfende misstrauisch macht, macht auch Systeme vorsichtig: fehlende Datumsangaben, austauschbare Selbstbeschreibungen, Behauptungen ohne Herkunft. Wer an einer Stelle aufräumt, verbessert beides.
Was nicht hilft
Das Wort «Experte» in der Selbstbeschreibung. Es ist eine Behauptung ohne Beleg und es steht inzwischen in so vielen Impressen, dass es nichts mehr unterscheidet.
Ein Autorenprofil ohne Inhalt. «Max Muster schreibt seit Jahren über Marketing» erfüllt die Form und liefert keinen einzigen Beleg.
Fachbeiträge, die aus einem KI-Werkzeug stammen und niemandem zugeordnet sind. Sie sind fachlich oft korrekt und enthalten keine Erfahrung. Genau diese Lücke ist bemerkbar, für Prüfende wie für Systeme. Eine Einordnung dazu steht in Schadet KI-Content deinem Google-Ranking?.
Derselbe Satz, mit und ohne Beleg
Drei Beispiele aus Texten, die ich überarbeitet habe. Links das Original, rechts die belegte Fassung.
Ohne Beleg: «Viele Unternehmen unterschätzen, wie wichtig strukturierte Daten sind.» Mit Beleg: «Von den letzten vierzig Websites, die ich geprüft habe, hatten sechs überhaupt strukturierte Daten. Bei vier davon stammten sie aus einem Baukasten und beschrieben etwas, das es nicht mehr gibt.»
Ohne Beleg: «Ich begleite meine Kundschaft einfühlsam durch schwierige Veränderungsprozesse.» Mit Beleg: «In den meisten Begleitungen kommt in der dritten oder vierten Sitzung der Punkt, an dem der Widerstand vom Thema auf mich wechselt. Ich sage inzwischen vorher an, dass das kommt. Das nimmt dem Moment einen grossen Teil seiner Wucht.»
Ohne Beleg: «Unsere Methode führt nachhaltig zu besseren Ergebnissen.» Mit Beleg: «Bei Teams unter zehn Personen funktioniert dieses Vorgehen zuverlässig. Ab etwa dreissig Personen habe ich es zweimal abgebrochen, weil die Rückmeldungen nicht mehr zusammenzuführen waren. Für grössere Einheiten empfehle ich ein anderes Format.»
Die rechten Fassungen sind länger, weniger glatt und deutlich schwerer zu fälschen. Genau das ist der Punkt.
Eine Prüfliste für deine Seite
Geh deine Website mit sechs Fragen durch. Jede, die du mit Nein beantwortest, ist eine konkrete Aufgabe.
- Steht unter jedem Fachbeitrag eine Person mit Namen, Funktion und Verweis auf ihre Erfahrung?
- Enthält dein wichtigster Beitrag mindestens eine Zahl aus deiner eigenen Arbeit?
- Sind deine Abschlüsse und Zertifikate prüfbar angegeben, mit ausstellender Stelle?
- Findet sich irgendwo auf deiner Seite eine Aussage darüber, wofür du nicht der Richtige bist?
- Stehen Preise oder wenigstens Grössenordnungen auf der Seite?
- Wirst du ausserhalb deiner eigenen Website namentlich erwähnt, mindestens an drei Orten?
Die Zusammenfassung in zwei Sätzen
E-E-A-T lässt sich nicht einbauen, es lässt sich nur belegen. Für Beratende liegt der wirksamste Hebel dabei im Beweis für gelebte Erfahrung: Zahlen aus der eigenen Arbeit, genannte Grenzen und ein Name, der ausserhalb der eigenen Seite vorkommt. Mehr Fachwissen im Text bringt an dieser Stelle wenig.
Wer wissen will, wie weit die eigene Seite darin ist, findet im KI-Sichtbarkeits-Check die Auswertung dazu.
