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Der KI-Modus von Google: einschalten, abschalten und verstehen, was er ändert

Seit Oktober 2025 gibt es den KI-Modus auch in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Viele finden ihn trotzdem nicht. Wie du ihn öffnest, warum er bei dir fehlen kann, wie du ihn wieder loswirst und was er für deine Sichtbarkeit bedeutet.

Aquarell eines Suchfeldes mit zwei Schaltern, daneben ein aufgeschlagenes Notizbuch, Sinnbild für den KI-Modus von Google.

Seit Oktober 2025 hat Google seinen KI-Modus auch in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich ausgerollt, zusammen mit über vierzig weiteren Ländern. Trotzdem gehört «Ich finde diesen KI-Modus bei mir gar nicht» zu den Sätzen, die ich seither am häufigsten höre. Direkt danach kommt der zweite: «Kann ich das Ding auch wieder abstellen?»

Beide Fragen sind berechtigt. Beide haben eine Antwort, die niemand von Google klar aufgeschrieben hat.

Was der KI-Modus für deine Sichtbarkeit grundsätzlich bedeutet, habe ich in Google AI Mode: der nächste Schritt nach den AI Overviews eingeordnet. Hier geht es um die praktische Seite: öffnen, verstehen, loswerden, prüfen.

KI-Übersicht und KI-Modus sind zwei verschiedene Dinge

Diese Verwechslung steckt hinter der Hälfte aller Missverständnisse.

Die KI-Übersicht erscheint ungefragt. Du suchst wie immer und über den Ergebnissen steht ein zusammengefasster Text mit ein paar Quellen daneben. Du hast sie nicht angefordert, sie ist einfach da.

Der KI-Modus ist ein eigener Bereich, den du bewusst betrittst. Dort führst du ein Gespräch: Du stellst eine Frage, bekommst eine ausformulierte Antwort mit Quellen, stellst eine Rückfrage und das System behält den Zusammenhang. Es ähnelt eher ChatGPT als einer Ergebnisliste.

Für dich als Anbieter/in ist der Unterschied bedeutsam. In der KI-Übersicht taucht deine Seite auf, weil sie zu einem Suchbegriff passt. Im KI-Modus taucht sie auf, weil sie zu einer ausformulierten Situation passt, die jemand in mehreren Sätzen beschrieben hat.

Die drei Wege hinein

Über die Adresse. google.com/ai führt direkt in den Modus, ohne Umweg. Das ist der zuverlässigste Weg, wenn die Schaltflächen bei dir fehlen.

Über den Reiter. Suchst du normal, stehen über den Ergebnissen die bekannten Reiter: Alle, Bilder, Videos, News. Ist deine Region freigeschaltet, steht «KI-Modus» ganz links, oft mit einem kleinen Funkelsymbol.

Über die App. In der Google-App auf dem Telefon sitzt die Schaltfläche direkt unter dem Suchfeld.

Warum er bei dir fehlt

Google schaltet solche Funktionen stufenweise frei, nach Region, Konto, Gerät und Sprache. Das ist der Grund, warum zwei Personen am selben Tisch mit demselben Telefonmodell Unterschiedliches sehen. Vier Dinge helfen erfahrungsgemäss:

  1. Sprache und Region prüfen. Steht deine Google-Sprache auf Englisch, während dein Standort die Schweiz ist, geraten manche Freischaltungen durcheinander. Deutsch als Suchsprache einstellen.
  2. Die App aktualisieren. Ältere Versionen zeigen die Schaltfläche nicht, auch wenn dein Konto längst freigeschaltet ist.
  3. Angemeldet suchen. Ohne Konto bekommst du in vielen Regionen den vollen Funktionsumfang nicht.
  4. Die direkte Adresse verwenden. Funktioniert google.com/ai bei dir, ist dein Konto freigeschaltet und es fehlt nur die Schaltfläche.

Hilft nichts davon, bleibt Geduld. Die Ausrollung läuft weiter und Konten kommen in Wellen dazu.

Wie du wieder zu den klassischen Ergebnissen kommst

Einen Schalter zum dauerhaften Abschalten gibt es nicht. Was es gibt, ist der Reiter «Web». Er zeigt reine Verweise ohne KI-Zusammenfassung, so wie die Suche vor 2024 aussah.

Für den Alltag lohnt sich ein kleiner Kniff: Rufe eine Suche im Web-Reiter auf, kopiere die Adresse aus der Leiste und hinterlege sie im Browser als eigene Suchmaschine mit einem kurzen Kürzel. Danach landest du mit zwei Tastenanschlägen direkt in der klassischen Ansicht. Für Recherchen, bei denen du die Quellen selbst beurteilen willst, ist das eine erhebliche Erleichterung.

Für Sichtbarkeitsprüfungen brauchst du ohnehin beides: die klassische Ansicht für deine Position sowie den KI-Modus für die Frage, ob du in der Antwort überhaupt vorkommst. Das sind zwei verschiedene Fragen mit oft gegensätzlichen Antworten.

Was im Hintergrund tatsächlich passiert

Der KI-Modus beantwortet deine Frage nicht mit einer einzigen Suche. Er zerlegt sie in mehrere Teilfragen, sucht zu jeder davon getrennt weiter und setzt aus den Ergebnissen eine Antwort zusammen. Google nennt dieses Vorgehen Query Fan-out.

Ein Beispiel aus der Beratungswelt. Jemand tippt:

Wir sind ein Ingenieurbüro mit vierzig Leuten in der Ostschweiz. Unsere Rankings sind stabil, die Anfragen gehen trotzdem zurück. Wer kann uns dabei helfen, das einzuordnen?

Daraus werden im Hintergrund mehrere Suchen: nach der Ursache stabiler Rankings bei sinkenden Anfragen, nach Anbietern für solche Analysen, nach der Region, vermutlich noch nach Beispielen aus der Branche. Die Antwort setzt sich aus all diesen Strängen zusammen.

Das erklärt zwei Beobachtungen, die viele verwirren. Erstens kommen in einer Antwort Quellen vor, die für die ursprüngliche Frage nie auf Seite eins standen. Zweitens ändert sich die Antwort spürbar, wenn du einen Nebensatz weglässt. Du hast damit nämlich eine der Teilfragen entfernt.

Was das für deine Sichtbarkeit ändert

Drei Konsequenzen sind belegbar und praktisch nutzbar.

Die Fragen werden länger. Wer im Dialog sucht, schreibt ganze Sätze statt Stichworte. Warum das ausgerechnet Beratende trifft, habe ich in Die Frage ist länger geworden beschrieben. Kurz gesagt: Je mehr Umstände in der Frage stehen, desto eher entscheidet die Passung zur Situation und nicht die Autorität der Domain.

Platz eins verliert an Gewicht. Die Überlappung zwischen den klassischen Top-Ergebnissen und den zitierten Quellen ist deutlich kleiner, als die meisten vermuten. Zahlen dazu stehen in Platz eins reicht nicht mehr.

Einzelne Abschnitte werden wichtiger als ganze Seiten. Zusammengesetzt wird aus Textstücken, die je eine Teilfrage sauber beantworten. Eine Seite, die zehn Themen streift, liefert für keine Teilfrage ein brauchbares Stück. Eine Seite, die eine Frage vollständig beantwortet, liefert ein perfektes.

Was du daraus praktisch machst

Prüfe dich selbst im KI-Modus, abgemeldet. Stell die Frage so, wie deine Kundschaft sie stellen würde, mit allen Umständen. Nicht «SEO Beratung Bern», sondern der ganze Satz mit Branche, Grösse und Problem. Ein Vorgehen mit zehn brauchbaren Fragen steht in Zehn Fragen, mit denen du deine KI-Sichtbarkeit selbst prüfst.

Schau dir die Quellenliste an, nicht nur die Antwort. Rechts neben der Antwort stehen die verwendeten Seiten. Diese Liste ist wertvoller als die Antwort selbst, weil sie dir zeigt, welche Orte in deiner Nische als Quelle gelten. Genau dort solltest du vorkommen.

Schreibe je einen Abschnitt, der eine Teilfrage abschliesst. Eine Zwischenüberschrift als Frage, darunter drei bis fünf Sätze, die sie ohne Rückgriff auf den Rest der Seite beantworten. Das ist die Form, die sich für den Zusammenbau eignet.

Wiederhole die Prüfung monatlich mit denselben Fragen. Eine einzelne Messung sagt wenig, weil Antworten schwanken. Drei Messungen ergeben eine Linie.

Vier Irrtümer, die mir dauernd begegnen

«Der KI-Modus hat einen eigenen Index.» Er greift auf denselben Bestand zu wie die normale Suche. Was du für die Auffindbarkeit tust, wirkt für beides. Unterschiedlich ist die Auswahl, nicht die Grundlage.

«Wer auf Platz eins steht, steht auch in der Antwort.» Eine gute Position erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, garantiert aber nichts. Ein erheblicher Teil der zitierten Seiten stammt von ausserhalb der ersten zehn Ergebnisse.

«Ich kann meine Seite für den KI-Modus sperren und trotzdem bei Google bleiben.» Der Google-Crawler ist derselbe. Wer ihn aussperrt, verschwindet aus beidem. Welche Bots du getrennt steuern kannst, steht in Welche KI-Bots deine Seite besuchen.

«Das betrifft nur grosse Anbieter.» Bei allgemeinen Fragen stimmt das oft. Sobald eine Frage Branche, Region und Situation enthält, verschiebt sich das Bild spürbar zugunsten von Seiten, die genau diese Kombination benennen. Belege dazu in Auch kleine Seiten werden zitiert.

Was ich bei eigenen Messungen beobachte

Ich prüfe mein Unternehmen monatlich mit denselben Fragen, in ChatGPT, in Perplexity und im KI-Modus. Drei Muster wiederholen sich.

Erstens antwortet der KI-Modus bei Anbieterfragen vorsichtiger als ChatGPT. Häufig nennt er Kategorien und Auswahlkriterien, bevor überhaupt Namen fallen. Wer in seinen Inhalten Auswahlkriterien sauber beschreibt, wird dabei eher herangezogen.

Zweitens tauchen Verzeichnisse und Vergleichsseiten überdurchschnittlich oft in der Quellenliste auf. Welche das in der Beratung sind, habe ich in Die Verzeichnisse, die bei Anbieterfragen zitiert werden zusammengetragen.

Drittens schwanken die Ergebnisse stärker als bei der klassischen Suche. Dieselbe Frage, zwei Minuten später gestellt, liefert eine andere Reihenfolge und teilweise andere Namen. Deshalb zählt für eine Messung nur, in wie vielen von fünf Durchläufen du vorkommst.

Zwanzig Minuten, die sich lohnen

Wenn du nach diesem Beitrag genau eine Sache machst, dann diese Abfolge:

  1. Öffne ein privates Fenster und rufe google.com/ai auf.
  2. Stelle die Frage, mit der deine Kundschaft in deiner Lage anfangen würde, als ganzen Satz mit Branche, Region und Problem.
  3. Notiere, ob dein Name fällt. Fällt er nicht, notiere die Namen, die stattdessen genannt werden.
  4. Notiere jede Quelle aus der Liste rechts. Diese Liste ist deine Arbeitsgrundlage für die nächsten Monate.
  5. Wiederhole die Frage viermal. Notiere, in wie vielen Durchläufen du vorkommst.
  6. Trage Datum, Frage und Ergebnis in eine Tabelle ein und lege dir für denselben Tag im nächsten Monat eine Erinnerung an.

Nach drei Monaten hast du eine Linie statt eines Eindrucks. Das ist der ganze Unterschied zwischen Vermuten und Wissen.

Kleines Glossar

KI-Modus (AI Mode). Eigener Bereich in der Google-Suche, in dem du im Dialog fragst und ausformulierte Antworten mit Quellen bekommst.

KI-Übersicht (AI Overview). Automatisch erzeugte Zusammenfassung oberhalb der klassischen Ergebnisse, die du nicht anforderst.

Query Fan-out. Das Zerlegen einer Frage in mehrere Teilfragen, die getrennt gesucht und deren Ergebnisse anschliessend zusammengesetzt werden.

Web-Reiter. Ansicht der klassischen Ergebnisliste ohne KI-Zusammenfassung.

Was ich davon halte

Der KI-Modus ist kein Grund zur Panik und auch kein Anlass, die Website umzubauen. Er ist ein Anlass, eine Gewohnheit zu ändern: Prüfe deine Sichtbarkeit künftig an zwei Orten statt an einem. Die klassische Ergebnisliste sagt dir, wo du stehst. Der KI-Modus sagt dir, ob du überhaupt erwähnt wirst. Diese beiden Antworten fallen erstaunlich oft auseinander und die zweite ist die, über die deine Kundschaft heute stolpert.

Wenn du wissen willst, wie dein Unternehmen in KI-Antworten beschrieben wird, schau dir den KI-Sichtbarkeits-Check an. Er prüft genau diese Lücke.

Tobias Michael Kurz

Tobias Michael Kurz

Copywriter und GEO-Optimierer. Ich helfe Coaches, Berater/innen sowie Consulting-Unternehmen, in ChatGPT, Perplexity und Google gefunden und empfohlen zu werden. Mehr über mich

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FAQ

Häufige Fragen

Wo finde ich den KI-Modus bei Google?

An drei Stellen: über die Adresse google.com/ai, über den Reiter «KI-Modus» links oben in den Suchergebnissen und über die Schaltfläche in der Google-App. Erscheint keine davon, ist dein Konto noch nicht freigeschaltet oder deine Spracheinstellung passt nicht.

Warum sehe ich den KI-Modus nicht?

Google schaltet die Funktion stufenweise frei, nach Region, Gerät, Konto und Sprache. Zwei Personen am selben Tisch sehen deshalb Unterschiedliches. Abmelden, Sprache auf Deutsch stellen und die Google-App aktualisieren hilft in den meisten Fällen.

Kann ich den KI-Modus dauerhaft abschalten?

Einen Schalter dafür gibt es nicht. Du kommst über den Reiter «Web» zu den klassischen Ergebnissen, und diese Ansicht lässt sich als Lesezeichen oder als eigene Suchmaschine im Browser hinterlegen. Damit landest du künftig direkt dort.

Muss ich meine Website für den KI-Modus anders bauen?

Technisch nicht. Der KI-Modus nutzt denselben Index. Inhaltlich schon, weil dort längere, zusammengesetzte Fragen gestellt werden. Seiten, die eine vollständige Frage vollständig beantworten, werden dort eher als Quelle verwendet.

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