Ein Vortrag bringt mehr Erwähnungen als zehn Blogbeiträge
Die stärksten Signale für eine Nennung in KI-Antworten liegen ausserhalb der eigenen Website. Eine einzige Veranstaltung hinterlässt mehr solcher Spuren als ein halbes Jahr Blogarbeit, sofern du sie richtig vorbereitest.
Am Montag halte ich einen Workshop in einer Gemeinschaft, in der mich niemand kennt. Zustande gekommen ist er über eine Erwähnung, nicht über meine Website. Jemand hat meinen Namen in einem Gespräch genannt und daraus wurde eine Anfrage.
Genau dieser Weg ist es, den viele Selbstständige unterschätzen, während sie den fünfzigsten Fachbeitrag schreiben.
Die Zahlen dahinter
Eine Auswertung von Ahrefs über 75‘000 Marken hat untersucht, welche Signale mit der Sichtbarkeit in Googles KI-Übersichten zusammenhängen. Die Rangfolge war deutlich: Web-Erwähnungen mit 0,664, Marken-Ankertexte mit 0,527, das Suchvolumen zum Markennamen mit 0,392 und Backlinks abgeschlagen mit 0,218.
Die drei stärksten Signale liegen ausserhalb der eigenen Website. Dazu gehört die Einschränkung, die ich immer mitnenne: Das sind Korrelationen, keine Ursachen. Bekannte Marken werden häufiger erwähnt und häufiger genannt, beides kann auf dieselbe Ursache zurückgehen. Die praktische Schlussfolgerung bleibt trotzdem stabil, weil sie sich mit meinen eigenen Messungen deckt sowie mit dem, was in Warum fremde Seiten über deine KI-Empfehlung mitentscheiden zusammengetragen ist.
Ein Blogbeitrag auf deiner eigenen Seite erzeugt keine einzige Erwähnung ausserhalb deiner Seite. Er ist trotzdem wichtig, weil er die Grundlage für Zitate liefert. Für die Frage, ob dein Name in einer Antwort fällt, zahlt er allerdings kaum ein.
Was eine einzige Veranstaltung hinterlässt
Rechne einmal durch, was bei einem Auftritt tatsächlich entsteht.
Die Ankündigung. Eine Seite auf fremder Domain mit deinem Namen, deinem Thema und meistens deiner Funktion. Sie bleibt oft jahrelang online.
Das Programm. Bei Verbänden und Netzwerken häufig eine eigene Übersichtsseite, manchmal ein PDF, das indexiert wird.
Die Einladung in Verteilern. Newsletter und Gruppen, in denen dein Name auftaucht, teilweise mit Archiv im Netz.
Beiträge der Teilnehmenden. Wer mitschreibt, teilt etwas und nennt dich dabei. Das sind Erwähnungen, die du nicht selbst geschrieben hast.
Der Nachbericht. Bei Verbänden fast immer, bei Firmen oft intern. Frag danach, viele schreiben ihn gern, wenn sie Material bekommen.
Die Aufzeichnung. Sofern es eine gibt, liegt sie auf einer Plattform, deren Inhalte durchsuchbar sind. Zum Zusammenhang mit Videoinhalten habe ich in Das stärkste Signal liegt auf YouTube geschrieben.
Deine eigene Seite dazu. Eine Seite auf deiner Website mit Titel, Datum, Ort und Unterlagen. Sie verbindet die fremden Spuren mit dir.
Aus einem Abend entstehen so fünf bis acht auffindbare Nennungen deines Namens in einem thematischen Zusammenhang. Kein Blogbeitrag leistet das.
Wie du an Einladungen kommst
Der Einwand liegt auf der Hand: Man muss erst einmal eingeladen werden. In meiner Erfahrung ist die Hürde niedriger als vermutet, weil überall Programme gefüllt werden müssen.
Netzwerke und Unternehmervereinigungen. Die meisten treffen sich monatlich und suchen laufend Inhalte. Eine kurze Nachricht mit einem konkreten Angebot genügt oft.
Fachverbände deiner Zielgruppe. Wenn du Produktionsbetriebe berätst, sind die Branchenverbände deiner Kundschaft der naheliegende Ort. Dort bist du der Gast von aussen, nicht der Mitbewerber.
Regionale Gruppen und Gemeinschaften. Kleiner, unkomplizierter, oft dankbar. Genau dort halte ich am Montag meinen Workshop.
Weiterbildungen in Unternehmen. Viele Firmen haben interne Formate über Mittag. Die Ankündigung bleibt zwar intern, dafür sitzen die Richtigen im Raum.
Podcasts. Der geringste Aufwand mit der längsten Halbwertszeit, weil die Folgenbeschreibung samt deinem Namen dauerhaft online bleibt.
Der Satz, der dabei funktioniert, enthält drei Dinge: einen konkreten Titel, eine Dauer und die Zusage, nichts zu verkaufen. Also statt «Ich könnte mal etwas über KI erzählen» lieber «Sechzig Minuten zu der Frage, warum Fachleute in KI-Antworten nicht genannt werden, mit einem Teil, in dem alle ihr eigenes Ergebnis erzeugen. Ich verkaufe an dem Abend nichts.»
Die Nachricht, die zu Zusagen führt
Weil der schwierigste Teil das Anfragen ist, hier die Form, die bei mir funktioniert. Sie ist kurz, sie nimmt dem Gegenüber die Arbeit ab und sie enthält keine einzige Floskel.
Guten Tag [Name]
Ihr [Format] beschäftigt sich regelmässig mit [Thema]. Dazu hätte ich einen Beitrag anzubieten.
Titel: [konkreter Titel mit Untertitel] Dauer: 45 Minuten plus Fragen Für wen: [Zielgruppe] Was die Leute mitnehmen: [eine konkrete Sache, die sie danach selbst können]
Ich verkaufe dabei nichts. Unterlagen mit allen Quellen stelle ich im Anschluss zur Verfügung.
Passt das in Ihr Programm?
Vier Dinge machen den Unterschied. Der Titel ist fertig, die Dauer ist genannt, der Nutzen ist konkret und die Zusage, nichts zu verkaufen, nimmt die grösste Sorge der Veranstaltenden vorweg. Wer stattdessen schreibt, er stehe für Themen zur Verfügung, macht dem Gegenüber Arbeit und bekommt seltener eine Zusage.
Rechne mit einer Antwortquote, die niedrig aussieht und in absoluten Zahlen genügt. Zehn Anfragen bringen oft zwei bis drei Zusagen und drei Auftritte im Jahr sind bereits eine deutlich andere Ausgangslage als keiner.
Damit die Spur bleibt
Ein Auftritt, über den nichts im Netz steht, war ein netter Abend. Sechs Punkte, die aus einem Abend eine dauerhafte Erwähnung machen.
Titel mit klaren Begriffen. «Gelesen und nicht genannt» ist als Titel gut. Damit er auffindbar ist, braucht er den Untertitel, in dem die Begriffe vorkommen, nach denen jemand suchen würde.
Deine Funktion mitliefern. Gib den Veranstaltenden eine fertige Zeile für die Ankündigung, mit Leistung, Zielgruppe und Gebiet. Sonst steht dort nur dein Name.
Eine eigene Seite dazu. Datum, Ort, Titel, worum es ging, die Unterlagen zum Herunterladen. Diese Seite ist der Anker, auf den fremde Erwähnungen zeigen können.
Ein Handout mit Quellen. Eine Seite, die weitergereicht wird, mit deinem Namen darauf. Sie wandert oft weiter als der Vortrag selbst.
Nachfragen, ob ein Bericht entsteht. Und anbieten, zwei, drei Sätze beizusteuern. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit erheblich.
Um eine Aufzeichnung bitten, auch wenn sie nur intern verwendet wird. Manchmal darfst du sie später selbst veröffentlichen.
Was du dabei nicht tun solltest
Verkaufen. Der Moment, in dem ein Vortrag in ein Angebot kippt, ist der Moment, in dem die Erwähnungen aufhören, weil niemand eine Werbeveranstaltung weiterempfiehlt.
Ich sage inzwischen zu Beginn ausdrücklich, dass ich nichts verkaufe. Das kostet mich nichts, weil Anfragen ohnehin danach kommen und es verändert die Haltung im Raum spürbar. Warum Zurückhaltung im Verkauf gerade bei Beratung wirksamer ist, steht in Das Erstgespräch, das keine Verkaufsfalle ist.
Was ein Vortrag mit deiner Website macht
Zwei Verbindungen lohnen sich, weil sie den Auftritt mit deiner eigenen Seite verknüpfen.
Die Veranstaltungsseite. Lege für jeden Auftritt eine eigene Seite an, auch rückwirkend. Titel, Datum, Ort, Veranstaltende, worum es ging, Unterlagen. Technisch kannst du das als Veranstaltung auszeichnen, damit die Angaben eindeutig auslesbar sind. Welche Typen dafür zur Verfügung stehen, steht in Strukturierte Daten für Beratende.
Die Übersicht. Eine Seite, auf der alle Auftritte gesammelt stehen, chronologisch. Sie ist der Beleg für Erfahrung in konzentrierter Form und genau das, was im Bewertungsraster rund um Fachkunde und Autorität zählt. Mehr dazu in E-E-A-T für Beratende.
Diese beiden Seiten kosten dich eine Stunde pro Auftritt. Sie sind der Unterschied zwischen einem Abend, der verpufft, sowie einem, der Jahre später noch auffindbar ist.
Der unterschätzte Nebeneffekt
Die Fragen, die im Raum gestellt werden, sind echte Suchanfragen in Reinform. Sie sind ausformuliert, sie enthalten die Umstände und sie sind in der Sprache deiner Zielgruppe statt in deiner Fachsprache.
Ich schreibe nach jedem Auftritt die Fragen auf, die gestellt wurden. Daraus entstehen Abschnitte auf meinen Leistungsseiten, Einträge im Frage-und-Antwort-Bereich und gelegentlich ein ganzer Beitrag. Das ist die günstigste Themenrecherche, die es gibt und sie ist besser als jedes Werkzeug, weil die Fragen von echten Menschen mit echten Anliegen stammen.
Warum diese Form der Frage inzwischen über die Auswahl entscheidet, habe ich in Die Frage ist länger geworden beschrieben.
Die Sorge vor dem ersten Mal
Wer noch nie vorne gestanden hat, hat meistens dieselben drei Bedenken und alle drei lassen sich entschärfen.
«Ich weiss zu wenig.» Für sechzig Minuten vor einem Publikum, das sich mit deinem Feld nicht täglich beschäftigt, weisst du genug. Was fehlt, ist selten Wissen, sondern eine Struktur. Drei Teile, eine Übung dazwischen, ein klarer Abschluss.
«Ich bin kein guter Redner.» Für die Wirkung, um die es hier geht, spielt das eine kleinere Rolle als erwartet. Dein Name steht in der Ankündigung, im Programm und im Nachbericht, unabhängig davon, wie geschliffen du sprichst. Glaubwürdiger wirkt ohnehin, wer offen zeigt, was er selbst nicht weiss.
«Was, wenn jemand etwas fragt, das ich nicht beantworten kann?» Dann sagst du das und schickst die Antwort nach. Diese eine Nachricht im Anschluss hat mir mehr Anfragen gebracht als jeder perfekt beantwortete Einwand im Raum.
Nimm dir für den ersten Auftritt ein kleines Format. Fünfzehn Leute in einem Netzwerktreffen sind ein guter Anfang und die Spur im Netz ist dieselbe wie bei einer grossen Bühne.
Wie du die Wirkung misst
Einzelne Auftritte lassen sich schlecht messen, eine Reihe davon schon. Drei Beobachtungspunkte.
Markensuchen in der Search Console, vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Auftritt. Ein Anstieg bei der Suche nach deinem Namen ist das unmittelbarste Zeichen.
Neue Erwähnungen. Suche vierteljährlich nach deinem Namen in Anführungszeichen und notiere, was neu dazugekommen ist.
Die Kategoriefrage. Stelle sie monatlich in mehreren Systemen, immer mit denselben Worten, wie in Zehn Fragen, mit denen du deine KI-Sichtbarkeit selbst prüfst beschrieben. Hier zeigt sich eine Veränderung frühestens nach Monaten, dafür ist sie die aussagekräftigste.
Die Rechnung, die ich aufstelle
Ein Vortrag kostet mich mit Vorbereitung etwa acht Stunden. Ein Fachbeitrag von der Recherche bis zur Veröffentlichung kostet mich vier bis sechs. Der Vortrag erzeugt fünf bis acht Erwähnungen ausserhalb meiner Seite, der Beitrag keine einzige.
Trotzdem schreibe ich weiter Beiträge, weil sie die Substanz liefern, aus der zitiert wird. Die Reihenfolge ist es, die sich ändert. Wer ein halbes Jahr lang ausschliesslich schreibt und sich wundert, dass die KI ihn nicht nennt, hat die eine Hälfte der Arbeit gemacht und die wirksamere ausgelassen.
